Ich bin der Meinung, dass...

… US-Präsident Donald Trump mit der Ankündigung, 12.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, sollte es denn wirklich dazu kommen, vor allem gegen die Interessen seines eigenen Landes handelt. Natürlich leisten die US-Soldaten einen großen Beitrag für die Sicherheit Deutschlands. Aber die Stützpunkte in der Bundesrepublik sind auch die logistische Drehscheibe für die internationale Militärpräsenz der USA. Die über Jahre in Deutschland gewachsene und gut funktionierende Infrastruktur zu zerschlagen und woanders, etwa in Polen, wieder aufzubauen, dauert lange und kostet viel Geld. Der Truppenabzug führt nicht zu einer Stärkung der Nato, was uns auch der US-Verteidigungsminister Mark Esper glauben machen will, sondern eher zu einer Schwächung des Bündnisses. Ein militärischer Nutzen für den mit der deutschen Regierung nicht abgestimmten Schritt ist jedenfalls nicht erkennbar. Leider führt das Vorgehen aber zu einer großen Belastung für das deutsch-amerikanische Verhältnis. Weniger wegen des angekündigten Abzugs, sondern wegen des Umgangs Trumps mit dem wichtigsten Bündnis- und Handelspartner der USA. Er springt mit Deutschland um, als sei es noch das von den Amerikanern besetzte Land. Das ist unerträglich. Mit dem Abzug von US-Truppen will Trump Deutschland dafür bestrafen, als Nato-Partner zu wenig für Militär auszugeben. Das kann man nachvollziehen, rechtfertigt aber nicht Vorgehen und Wortwahl des mächtigsten Mannes der Welt. Seine "Strategie" stößt überall auf Kritik, sogar in der eigenen Partei. Dazu kommt, dass Trump stark beleidigt ist, weil Kanzlerin Angela Merkel seine Einladung nach Washington nicht annahm. Er hatte sich für seinen Wahlkampf schöne Bilder mit der mächtigsten Frau der Welt erhofft. Das klingt zwar verrückt, doch genau so ist Trump gestrickt. Deutschland kann den Verlust der 12.000 Soldaten verschmerzen. Aber es ist verständlich, dass die betroffenen Regionen den Schritt als "grundsätzlich falsch" und "schweren Schlag" kritisieren. Vor allem Rheinland-Pfalz rechnet mit dem Verlust deutscher Arbeitsplätze. Der weitaus größte US-Stützpunkt Ramstein ist von dem Abzug aber nicht betroffen. In Deutschland wird die Entscheidung von großen Teilen der Bevölkerung begrüßt, vor allem im Osten. Sie wünschen sich den Abzug auch der restlichen 24.000 Soldaten und fordern die USA auf, auch ihre Atomwaffen aus Deutschland endlich abzuziehen. Wilfried Hub