Ich bin der Meinung, dass...

… wir uns über die bereits angelaufene zweite Corona-Welle nicht wundern sollten. Die meisten Experten hatten es vorhergesagt, dass in der Urlaubszeit die Infektionszahlen wieder ansteigen werden. Die Reisenden bringen das Virus aus dem Ausland mit, weil in den meisten Urlaubsländern die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen bei allem Bemühen nicht so eingehalten werden können, wie es wünschenswert wäre. Und auch die Urlauber selbst vergessen manchmal, dass das Virus noch da ist. Wo das Einhalten der Regeln nicht kontrolliert wird, wird ausgiebig gefeiert. Das ist zwar verständlich, aber eben auch sehr unvorsichtig. Also muss in Deutschland dafür gesorgt werden, dass sich die Infektion nicht wieder ausbreitet. Deshalb muss es verpflichtende Corona-Tests für Reisende aus Risikogebieten geben. Das verlangt auch der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer. Diejenigen, die mit dem Flugzeug aus einer Krisenregion zurückkommen, in der ein großes Infektionsgeschehen ist, müssen sich entweder testen lassen, oder es müssen zwei Wochen Quarantäne angeordnet werden. Bis jetzt werden solche Tests lediglich auf freiwilliger Basis kostenlos angeboten.
Gesundheitsminister Jens Spahn kündigte am Wochenende an, für Reiserückkehrer eine Testpflicht prüfen zu wollen. Diese Prüfung kommt viel zu spät. Spahn weiß nur zu gut, dass deutsche Gerichte sehr genau darauf achten, dass jeder Eingriff in individuelle Freiheit verhältnismäßig ist. Kaum nachvollziehbar, dass die rechtliche Klärung erst jetzt beginnt, nachdem die ersten schon wieder aus dem Urlaub zurückkommen. Eigentlich ist es eine Blamage, dass Spahn bislang keine Strategie für den Umgang mit Urlaubsrückkehrern hat. Wer aus Risikogebieten kommt, muss sich testen lassen. Und zwar auf eigene Kosten. Wer sich freiwillig als Tourist in ein Risikogebiet begibt, der muss in Kauf nehmen, dass er für diesen Test bezahlt. So hat es auch FDP-Chef Christian Lindner am Sonntag im ZDF gefordert. Für ihn ist das "eine Frage der Eigenverantwortung". Recht hat er. Die zweite Corona-Welle wird für die Bevölkerung aber nicht so gravierende Einschränkungen bedeuten wie die erste. Flächendeckende Lockdowns wird es wohl nicht geben. Erforderliche Schritte können vermutlich regional und lokal beschränkt bleiben. Wilfried Hub