Ich bin der Meinung, dass...

… der neue Freiwilligendienst der Bundeswehr die Ziele, die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag formulierte, vermutlich nicht erreichen wird. Das Angebot startet am 1. April 2021 für tausend Frauen und Männer. Der neue Dienst umfasst sieben Monate Ausbildung bestehend aus einer dreimonatigen Grundausbildung und einer Spezialausbildung. Danach sind die Teilnehmer sechs Jahre lang Reservisten der Bundeswehr und sollen in dieser Zeit mindestens fünf Monate im Heimatschutz zum Einsatz kommen. Mit dem neuen "Dienst für Deutschland" will die Ministerin dazu beitragen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. Dass wir im Moment in besonders herausfordernden Zeiten leben, ist unbestritten. Da hat die Ministerin Recht. Ob ein solcher Dienst aber die richtige Antwort darauf ist, ist fraglich. Unter anderem geht es ihr darum, die Verankerung der Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft zu stärken. Und sie will etwas tun gegen rechtsextreme Umtriebe in der Truppe. Wie das bei tausend Teilnehmern im Rahmen eines sechsmonatigen "Schnupperkurses" gehen soll, sagt sie nicht. Zumal die Freiwilligen nicht mal in die Nähe der abgeschotteten Truppenteile kommen. Kritiker befürchten, dass sich möglicherweise gerade junge Leute mit der falschen Gesinnung vom neuen Dienst an der Waffe angezogen fühlen könnten.
Der Heimatschutz, die Aufgabe der neuen Freiwilligen, könnte in der Tat dazu beitragen, wieder mehr Verbindungen zu Zivilisten zu schaffen als das die Bundeswehr im Moment in der Lage ist. Einsätze im Krisen- und Katastrophenfall wie bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sorgen für Anerkennung in der Gesellschaft. Die Frage ist, ob diese Einsätze nicht eigentlich in den Bereich des Zivilschutzes gehören. Laut Grundgesetz sind das keine Aufgaben für die Armee. Der neue Dienst, der bezahlt wird, begibt sich in den Wettbewerb zu den jetzt schon unterbesetzten Einheiten bei der Freiwilligen Feuerwehr oder dem THW. Die werden es künftig schwer haben, junge Leute zu begeistern. Das zusätzliche Angebot stößt auch auf Kritik bei den Wohlfahrtsverbänden. Sie sehen Konkurrenz zu Angeboten, wie dem sozialen oder dem ökologischen Jahr. Es tut mir schrecklich leid, aber die neue Idee ist wieder typisch AKK, Schnellschuss, unüberlegt und am Ziel vorbei. Um das neue Angebot publik zu machen, wird sie sehr viel Geld ausgeben für große Werbekampagnen. Die können sich die Wohlfahrtsverbände nicht leisten. Zwar soll sich der "Dienst für Deutschland" vor allem an Heranwachsende richten, die, so AKK, eine gewisse "Affinität zur Bundeswehr" haben, aber sie rekrutiert junge Leute, die im sozialen Bereich als möglicher Nachwuchs dringend gebraucht werden. Am Ende ist die Aktion möglicherweise nur ein wenig Imagepflege für die Bundeswehr. Aber das Problem (viele Rechtsradikale) an der Wurzel anpacken, will oder kann man nicht. Wilfried Hub