Ich bin der Meinung, dass...

… die neuesten Überlegungen aus Berlin, vermutlich aus der Hexenküche von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), ganze Landkreise bei einem Corona-Ausbruch mit einer Ausgangssperre zu belegen, abzulehnen sind. So wie es Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer auch schon getan hat. In Berlin hat man vor allem zwei Dinge nicht bedacht. Erstens, dass das Infektionsgeschehen in ganz Deutschland mittlerweile sehr gering ist. Aber auch höchst unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern. Und zweitens hat man im Bundeskanzleramt offenbar keine Vorstellung davon, wie groß manche Landkreise sind - einige flächenmäßig so groß wie das Saarland. Auch in Sachsen sind die Kreise sehr groß. Mittelsachsen zum Beispiel. Oder auch der Vogtlandkreis. Es ist nicht sinnvoll, einen ganzen Landkreis abzuriegeln. Warum sollte man bei einem Corona-Ausbruch im nördlichen Vogtland, etwa in Reichenbach oder Neumark, den kompletten Vogtlandkreis in Quarantäne schicken. Also auch Bad Brambach und Bad Elster. Dann müsste man konsequenterweise auch die Nachbarkreise Zwickau und Greiz mit Ausreisesperren belegen. Die Bundesregierung ist gut beraten, den Bundesländern zusammen mit den Kreisverwaltungen und den Gesundheitsämtern vor Ort zu überlassen, wo welche Maßnahmen bei Ausbrüchen zur Eindämmung zu ergreifen sind. Bislang wurde auch bei kleineren Hotspots sinnvoll, schnell und nachhaltig gehandelt. Es ist richtig, lokale Corona-Ausbrüche gezielt zu bekämpfen. Ganze Kreise kontrollieren zu wollen, ist ebenso unrealistisch wie unnötig. Wo chirurgische Präzision gefragt ist, sollte man nicht mit dem Holzhammer rangehen.  Wilfried Hub