Ich bin der Meinung, dass..

… der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zumindest derzeit der einzige ist, den man sich als Nachfolger von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorstellen kann. Die Kandidatenfrage in der Union ist kompliziert, weil CDU und CSU sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen müssen. Die CDU kann es nur schwer ertragen, dass ein Politiker der Schwesterpartei dafür ständig genannt wird. Schließlich gibt es auch mehrere CDU-Kandidaten, die derzeit allerdings alle im Umfragetief dümpeln. Nur einer nicht: Söder. Der Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende punktet mit seinem rigorosen Kurs beim Wähler. Klarer Kompass. Das kommt gut an. Er kommt immer mehr aus der Deckung, auch weil andere Fehler machen. Merkels Besuch am Dienstag am Chiemsee kommt fast einem Ritterschlag für Söder gleich. Roter Teppich, gemeinsame Kutschfahrt bei herrlichem Wetter zum Schloss Herrenchiemsee, Treffen im Spiegelsaal mit Mitgliedern des bayerischen Kabinetts - traumhafte Fotomotive. So pompös wurde die Kanzlerin in Bayern noch nie empfangen. Die eisige Stimmung zwischen Merkel und dem damaligen CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, die noch zwei Jahren herrschte, ist fast vergessen. Damals lagen die Schwestern im Clinch wegen der Flüchtlingspolitik.
Die anderen CDU-Kandidaten beobachten das gute Verhältnis zwischen Merkel und Söder mit Argwohn. Der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sah vor der Krise schon wie der klare Sieger aus. Das war vor den Problemen in der Fleischindustrie. Vor allem sein Fernsehauftritt mit der falschen Behauptung, die Arbeiter aus Rumänien und Bulgarien hätten das Virus in bei Tönnies eingeschleppt, ließ viele am Kandidaten Laschet zweifeln. Er wünscht sich ein paar medienwirksame Auftritte, gerne mit Merkel, um seine Umfragewerte wieder zu beleben. Manch einer in seinem Umfeld fragt sich, warum die Kanzlerin nicht auch mal nach Nordrhein-Westfalen reist. Eine Kutschfahrt zum Aachener Dom wäre doch auch nicht schlecht. Immerhin wurden hier die deutschen Kaiser gekrönt. Doch bevor der Kandidat der Union gekürt wird, steht im Dezember die Wahl des CDU-Vorsitzenden an. Dort könnte sich Friedrich Merz, der vor allem bei konservativen Christdemokraten ankommt, durch einen tollen Sieg wieder als aussichtsreicher Kanzlerkandidat ins Gespräch bringen. Schließlich fiel er beim Parteitag 2018 in Hamburg gegen Annegret Kramp-Karrenbauer nur durch, weil er eine grottenschlechte Bewerbungsrede ablieferte. Wilfried Hub