Ich bin der Meinung, dass...

… bei der 4. Landesausstellung zur sächsischen Industriekultur, die am Wochenende unter anderem in Zwickau eröffnet wurde, etwas ganz Wichtiges fehlt. Nämlich Plauen, das wie kaum eine andere Stadt die Industriegeschichte in Sachsen prägte. Die Staatsregierung macht viel Werbung für die Ausstellung an den sechs Schauplätzen. Es gibt interaktive Seiten im Internet, Prospekte und einen Katalog. Die alte Industriemetropole Plauen ist leider mit keinem Wort erwähnt. Die Ausstellung "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen" gewährt tolle, zum Teil unerwartete Einblicke in die Geschichte des Freistaates. Nur Plauen bleibt außen vor. Das ist unverständlich und traurig, zumal zum Beispiel die Elsteraue in der Geschichte der Industriekultur eine große Rolle spielte. Und auch wieder spielen soll. Der neue Stadtteil, der auf dem Gelände der Hempelschen Fabrik entstehen soll, war Keimzelle der industriellen Entwicklung Plauens. Der Abschnitt von der Alten Elsterbrücke über den Komturhof und der Hempelschen Fabrik hin bis zum Weisbachschen Haus ist wahrlich historischer Boden. Hier begann die Industrie in Sachsen. Um- und Ausbau des Areals sollen bereits bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. In die Hempelsche Fabrik selbst soll nach moderater Sanierung die Kreativwirtschaft mit jungen Start-Up-Unternehmen Einzug halten. Plauen und das Projekt in der Elsteraue hätten es verdient gehabt, Teil der Landesausstellung zu sein.
Die Ausstellungseröffnung erinnert an die Debatte aus dem Jahre 2014 als es um die Standort-Vergabe für die 4. Landesausstellung Industriekultur ging. Plauen hatte sich begründete Hoffnungen gemacht, mit der Elsteraue Ausstellungsort zu werden. Doch die Staatsregierung entschied anders. Zwickau mit dem Ausstellungsort Horch-Museum bekam den Zuschlag. Das war verwunderlich, da gar nicht klar war, ob die Muldestadt in der Lage wäre, den geforderten Zeitplan einzuhalten. Sie konnte es nicht. Deshalb findet die Landesausstellung auch erst jetzt und nicht wie geplant 2018 statt. Auch das vom Freistaat ausgerufene "Jahr der Industriekultur" wurde auf 2020 verschoben. Die damalige Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer und die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß kündigten an, die gesamte Region Südwestsachsen werde einbezogen. Vor allem Plauen habe zur Industriegeschichte viel zu bieten, hieß es. Das war vor sechs Jahren. Seit dem hat man aus Zwickau zu einer Beteiligung Plauens nichts mehr gehört. Nur gut, dass die Plauener nicht beleidigt die Köpfe in den Sand steckten. Die Stadt blieb am Thema dran. Es mag am schlechten Gewissen gelegen haben oder vielleicht doch am Plauener Verhandlungsgeschick, dass für die Gestaltung des Geländes reichlich vom Land Fördermittel genehmigt wurden. So kommt es, dass Plauen ohne eigentlich richtig dazu zu gehören, zum "Jahr der Industriekultur" trotzdem einen bedeutsamen Beitrag leistet. Wilfried Hub