Ich bin der Meinung, dass...

... man die leeren Versprechungen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon nicht mehr hören kann. Er hatte angekündigt, dass alle Pflegekräfte für ihren Einsatz in der Frühphase der Corona-Pandemie eine Bonuszahlung erhalten. Für die Mitarbeiter sollte es als Anerkennung nicht nur Beifall geben, sondern auch eine Extraprämie von 1500 Euro. Jetzt wird schon seit Wochen über die Höhe der Zahlung gestritten und darüber, wer die Prämie überhaupt erhalten soll. Eigentlich war klar, dass die Sache nicht so einfach durchgeht. Spahn hatte sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und Versprechungen zu Lasten Dritter, nämlich der Krankenkassen, gemacht. Plötzlich sollen nur Altenpfleger den Bonus bekommen und Krankenpfleger leer ausgehen. So war das aber nicht ausgemacht. Es ist jetzt allein Spahns Aufgabe, die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Es steht doch völlig außer Frage, dass beide Berufe den Bonus verdient haben. Krankenschwestern haben zum Teil ihr Leben für die Patienten riskiert, genauso wie Ärzte. Einige haben dafür sogar ihr Leben gelassen. Die Schwestern und Pfleger in den Kliniken, die den Hauptanteil gestemmt haben, leer ausgehen zu lassen, ist eine Unverschämtheit. Der Staat muss die fehlenden Beträge ausgleichen. Was als Geste der Wertschätzung gedacht war, wurde von der Bundesregierung durch fehlende Großzügigkeit in eine menschlich beschämende Debatte überführt. Und die Diskussion geht weiter: Die CSU möchte die Zahlung am liebsten auf die Krankenhäuser abwälzen. Die Bonuszahlung war als kleine Anerkennung für die "Helden der Pandemie" gedacht gewesen. Zu mehr Gerechtigkeit führt sie ohnehin nicht. Um das Lohngefälle gegenüber anderen Berufen abzufangen, muss sich grundsätzlich etwas ändern. Vielleicht wären die vielen Millionen Euro für die Corona-App genau für Boni und überhaupt im Gesundheitswesen besser aufgehoben gewesen. Wilfried Hub