Ich bin der Meinung, dass...

… es zwischen der Corona-Pandemie und dem Alkoholverbot in der Plauener Innenstadt ungeahnte Parallelen gibt. Bei Corona gibt es Leute, die die Gefahren des Virus auf die leichte Schulter nahmen und immer noch nehmen und das Ende aller Beschränkungen fordern. Da das Infektionsgeschehen immer gering gewesen sei, hielten sie Kontaktsperren, Abstandsregeln und Maskenpflicht für unnötig. Verschwörungstheoretiker meinen, dass das alles nur einen Sinn hat, nämlich die Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken, um künftig alles Mögliche durchsetzen zu können. Manche befürchten die Errichtung einer Corona-Diktatur. Sie alle verwechseln Ursache und Wirkung. Gerade weil es in Deutschland die Maßnahmen und Regeln gab, die von der Bevölkerung diszipliniert eingehalten wurden, war das Infektionsgeschehen bei uns vergleichsweise gering. Der Blick in die Welt beweist, dass es auch anders gehen kann. Großbritannien, USA, Brasilien und andere Länder, in denen das Virus anfangs nicht ernst genommen wurde, verzeichnen Hunderttausende Infektionen und Zehntausende Tote. Das blieb uns erspart.
Obwohl die Pandemie natürlich nichts mit dem Plauener Alkoholverbot zu tun, ähnelt die Argumentation der Landesdirektion Sachsen, die das Alkoholverbot für rechtswidrig erklärt hat, den Begründungen der Corona-Leugner. Es habe zu wenige Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gegeben, um ein Verbot zu rechtfertigen, argumentiert die Chemnitzer Behörde. Verrückte Welt: Weil sich die Situation am Postplatz unter anderem wegen des Alkoholverbots verbesserte, soll es wieder abgeschafft werden. Natürlich spielt auch die regelmäßige Polizeipräsenz am Tunnel eine Rolle. Anstatt Lob, weil es gelungen ist, die Anzahl der Straftaten in der Innenstadt deutlich zu reduzieren, ernteten Stadt und Polizei Kritik. Das Alkoholverbot ist in erster Linie eine präventive Maßnahme, um Straftaten zu verhindern. Es trägt aber auch dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen Rechnung, die auf dem belebten Platz ungewollt Zeugen von Schlägereien werden. Vor allem ältere Mitbürger fühlen sich verunsichert und haben in der Vergangenheit, vor allem in den Abendstunden, den Postplatz gemieden. Das kann aber sicherlich nicht die Lösung des Problems sein. Wilfried Hub