Ich bin der Meinung, dass...

… der Corona-Ausbruch mit mehr als 600 Infektionen in einem Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) am vergangenen Mittwoch vor allem eines beweist. Die Pandemie ist noch lange nicht vorüber. Solche Ausbrüche kann es und wird immer wieder geben. Da helfen die besten Regeln und Beschränkungen nichts. Und doch ist es im Fall des Gütersloher Fleischbetriebes etwas anders. Das Infektionsgeschehen soll unter Kontrolle gebracht, aber trotzdem regional belassen werden. Die Mitarbeiter von Tönnies, die meist aus Osteuropa stammen, und deren Kontaktpersonen müssen in Quarantäne. Rund 7000 Menschen sind betroffen. Obwohl der Gütersloher Landrat vorsorglich anordnete, Kitas und Schulen zu schließen, soll es keinen generellen Lockdown geben, wie es in früheren Corona-Ausbrüchen üblich war. Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren sollen unter allen Umständen vermieden werden. Die Gefahr lasse sich gut eingrenzen. Lediglich der Fleischbetrieb wurde sofort geschlossen, alle Mitarbeiter isoliert. Landrat Sven-Georg Adenauer, übrigens ein Enkel des legendären Kanzlers Konrad Adenauer, handelte besonnen. Dafür, aber auch für sein schnelles Handeln gab es bereits ein Lob von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Wieder stehen die Verhältnisse in den Schlachthöfen im Fokus. So war es auch Anfang Mai, als in mehreren Fleischbetrieben massenhaft Corona-Fällen auftreten. Die Politik reagierte betroffen und versprach zu handeln. Aber viel passiert ist nicht. Von einem Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie war die Rede. Aber erst für 2021. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte jetzt ein umgehendes Verbot. In vielen Schlachthöfen arbeiten - wie in der Ernte - billige Arbeitskräfte, die aus Kostengründen über Subunternehmen und Werkverträge beschäftigt werden. Vor allem die Sammelunterkünfte mit vielen osteuropäischen Arbeitern stehen in der Kritik. Falls die Werkverträge verboten werden, stehen viele Unternehmen vermutlich kurzfristig vor erheblichen Personalproblemen. Die Branche könne aber keine hohen Stundenlöhne wie etwa Automobilhersteller zahlen, so der zuständige Arbeitgeberverband. Auch der Bauernverband betont wie wichtig es sei, Schlachtungen in Deutschland aufrecht zu erhalten. Die Fleischwirtschaft müsse arbeitsfähig bleiben. Meiner Ansicht nach braucht es jetzt ein Signal der Bereitschaft von Seiten der Verbraucher, mehr Geld für Fleischprodukte zu bezahlen. Wilfried Hub