Ich bin der Meinung, dass..

… die Corona-App zwar nützlich sein kann. Aber ein Wundermittel gegen den neuen Erreger ist die offizielle Warn-App eher nicht. Seit Dienstag ist die Anwendung zum Download bereit und zur Benutzung freigeschaltet. Sie soll das Nachverfolgen von Infektionsketten erleichtern und damit helfen, die Pandemie einzudämmen. Meine Skepsis gegenüber der App hält sich in Grenzen. Ich bin aber auch relativ ahnungslos in technischen Dingen. Was mich nachdenklich macht, sind die Statements von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu. Total freiwillig, mega sicher und super anonym. Das ist der Plan. Doch die Erfahrung lehrt uns, dass es gerade bei IT-Projekten immer wieder zu Pannen kommt. Es passiert, was eigentlich nicht passieren darf. Hochsensible Daten, gut geschützt und verschlüsselt, gelangten wiederholt in die Öffentlichkeit. Zudem bezweifeln Experten, dass die App zuverlässig funktioniert. Sie kritisieren die große Fehler-Anfälligkeit. Dazu kommt, dass es häufige Fehlalarme geben kann. Ist die Anwendung zu soft eingestellt, könnten Nutzer unnötig in Selbstquarantäne geschickt werden. Ist sie zu stark justiert, kann es sein, dass sie auch bei Risikokontakten nicht anschlägt. Beide Probleme sollen noch nicht gelöst sein.
Das größte Misstrauen hege ich aber gegenüber dem Gesundheitsminister selbst. Man kann Jens Spahn einfach nichts (mehr) glauben. Seine schön gefärbten Reden bringen mich langsam auf die Palme. Es ist immer alles gut, auch wenn's eigentlich schlecht gelaufen ist. Erst sollte die App im April kommen, dann versprach Spahn sie für Mai und jetzt wurde es doch Mitte Juni. "Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt", betonte der Minister am Dienstag. Wie bitte? Zur notwendigen Verbreitung der App, will er gar nichts mehr sagen. Jeder, der die App auf seinem Smartphone nutze, sei hilfreich. So ein Quatsch. Nur wenn viele Menschen sie nutzen, kann sie funktionieren. Laut seriösen Experten müssten wenigstens 60 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Spahn und die App sind zum Erfolg verurteilt. Deshalb bleibt der Minister auch im Ungefähren. Es steht jetzt schon fest, dass er nach der Pandemie von einem überaus erfolgreichen Projekt sprechen wird. Schließlich war die App teuer genug. Die Entwicklung kostete rund 20 Millionen Euro. Dazu kommen Betriebskosten in Höhe von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro monatlich. Viel Geld für eine Anwendung, die zwar nützlich ist, aber die klassische Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter zwar ergänzen, aber keineswegs ersetzen kann. Wilfried Hub