Ich bin der Meinung, dass...

… es manchmal auch von Vorteil sein kann, wenn man nicht viel hat. Die Rede ist von den Gewerbesteuer-Einnahmen Plauens. Die waren nie besonders hoch. Die Stadt musste immer schauen, wie sie trotzdem einigermaßen gut über die Runden kommt. Das ist meistens gelungen und auch das Verdienst der Kämmerin Ute Göbel, die seit vielen Jahren auf die Finanzen der Stadt aufpasst. Ute Göbel ist eine der wichtigsten Beraterinnen von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Vielleicht sogar die wichtigste. Sie hat die Eigenschaft, bei allen Projekten in einem sehr frühen Planungsstadium warnend die Hand zu heben, wenn sie meint, dass die Stadt das vielleicht nicht stemmen könnte. Und das ist gut so. Meistens geht es dabei nicht um die reinen Investitionskosten, für die üblicherweise auch Fördermittel fließen, sondern um die Folgekosten, die von Politikern gerne übersehen werden. Unangemessen opulente Schwimmbäder, Sportanlagen oder Kultur- und Freizeiteinrichtungen haben schon so manche Stadt in den Ruin getrieben. Mit Ute Göbel an der Spitze der städtischen Finanzabteilung ist Plauen vor solchen Risiken gefeit. Sie hat selten Spendierhosen an, sperrt sich aber nicht bei Maßnahmen, die für die künftige Entwicklung der Stadt wichtig sind. Plauen liegt ihr am Herzen. Das bemerkt man bei ihren öffentlichen Auftritten im Stadtrat und in den Ausschüssen.
Der Stadt rechnet in diesem Jahr bei der Gewerbesteuer mit 2,5 Millionen Euro weniger Einnahmen. Das Minus wird vom Bund und vom Freistaat ausgeglichen. Auch bei den Hartz-IV-Kosten erhalten die Kommunen Unterstützung aus Berlin. Dennoch wird Geld in der Kasse fehlen. Es gibt Ausfälle bei den Kitabeiträgen und den Eintrittsgeldern städtischer Kultureinrichtungen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Da wird die Ute Göbel an manchen Kostenstellen den Rotstift ansetzen müssen. Gewiss wird sie dabei versuchen, keine freiwilligen Leistungen an Vereine und Einrichtungen zu streichen. Gegenüber den Städten im Westen stehen Plauen und andere Kommunen in Sachsen finanziell günstiger da, da sie nicht von Altschulden erdrückt werden. Die gebeutelten Kommunen hatten gehofft, dass das Konjunkturprogramm auch hier einspringt. Aber Fehlanzeige. Es gibt nichts. Entsprechend groß ist jetzt die Enttäuschung. Manch westdeutsche Großstadt hat Schulden in Milliardenhöhe. Folgen der jahrzehntelangen Fehlbeträge in den Haushalten und des Strukturwandels, zum Beispiel im Ruhrgebiet. Die Zinslast ist wie ein Klotz am Bein und behindert die Entwicklung. Wilfried Hub