Ich bin der Meinung, dass...

… der positive Verlauf der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen vieles wieder möglich macht. Nach den massiven Einschränkungen sind die Lockerungen richtig. Vom Treffen im Restaurant bis zum Besuch im Freibad - fast alles ist wieder erlaubt. Aber mit Abstand und mit Masken. Es ist ein vorsichtiger Alltag, den wir uns verdient haben, weil wir diszipliniert waren. Eine Entwarnung gibt es aber noch nicht. Die kann es auch nicht geben, solange die Situation derart instabil ist. In einem Restaurant in Ostfriesland und bei einem Gottesdienst in Frankfurt wurden die Regeln nicht ernst genug genommen. Das führte zu einem rapiden Anstieg der Infektionszahlen. Bis ein Impfstoff gefunden ist, werden wir uns an ein Leben mit Abstand gewöhnen müssen. Dass dies durchaus möglich ist, konnte man am vergangenen Wochenende gut beobachten. Überall gab es im Freien friedliche Feiern und kaum Verstöße gegen die Corona-Beschränkungen. Auch der Männertag wurde feuchtfröhlich und ohne Zwischenfälle begangen. Ziel vieler Ausflügler war der erst kürzlich eröffnete Freizeit- und Erlebnisgarten an der Talsperre Pöhl. Spaß für die ganze Familie versprechen die Zwölf-Loch-Minigolfanlage und weitere attraktive Spielgeräte. Ein Strandcafé auf dem völlig neu konzipierten Areal lädt zum Verweilen ein. Das alles mit einem herrlichen Ausblick auf den Stausee, der Lust auf Urlaub macht. Eine halbe Million Euro wurde in das touristische Projekt investiert.
Bodo Ramelow, der Ministerpräsident unseres Nachbarbundeslandes Thüringen, scheint diesen vorsichtigen Alltag, der jetzt überall einkehrt, aber gehörig misszuverstehen. Er will nächste Woche alle Beschränkungen aufheben. Es ist nachvollziehbar, dass es Politiker gibt, die die Sehnsüchte der Leute stillen wollen, doch Ramelows Vorpreschen ist ein falsches Signal. Es täuscht den Menschen eine zweifelhafte Sicherheit vor. Er will jedem Bürger selbst überlassen, ob er Mundschutz trägt oder Abstand einhält. Er nennt es "selbstverantwortetes Maßhalten" und stellt damit die Verhältnisse auf den Kopf. Er will genau die Beschränkungen abschaffen, denen wir den Erfolg zu verdanken haben. Die harten Maßnahmen der vergangenen Wochen sorgten für den positiven Verlauf des Infektionsgeschehens. Dieser Erfolg sollte nicht gefährdet werden. Viele Politiker in- und außerhalb Thüringens kritisieren Ramelows Pläne. Ich bin auch der Ansicht, dass es viel zu früh ist, die elementaren Schutzmaßnahmen aufzugeben. Es ist ein riskantes Experiment, das die Gefährlichkeit des Coronavirus relativiert. Ramelow setzt damit die Gesundheit seiner Bürger fahrlässig aufs Spiel. Es ist nämlich leider nicht davon auszugehen, dass alle mit den neuen Freiheiten verantwortlich umgehen werden. Lockerungen sind richtig, aber wir brauchen weiterhin staatlich vorgegebene Regeln, damit die Vorsichtsgebote eingehalten werden, um den Anstieg der Infiziertenzahlen und neue Lockdowns zu vermeiden. Wilfried Hub