Ich bin der Meinung, dass...

… die AfD nicht zur Ruhe kommt. Nicht zur Ruhe kommen kann. Die Konflikte innerhalb der Partei sind zu groß, die Gräben unüberbrückbar. Die Tage des Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen scheinen gezählt. Spätestens beim Sonderparteitag mit Neuwahlen, der jetzt gefordert wird, wird es den Showdown geben. Die Grundsatzfrage muss geklärt werden, ob die AfD die extrem Rechten um Björn Höcke und Andreas Kalbitz braucht oder ob man den "Flügel", den es formal ja gar nicht mehr gibt, schnell loswerden muss, um als Partei zu überleben. Meuthen hat lange versucht, die Extremen irgendwie einzubinden. Doch er ist gescheitert. Sein Ziel, die AfD zu einer regierungsfähigen Partei zu machen, ist in weite Ferne gerückt. Der Rauswurf von Kalbitz ist eine Kriegserklärung an die Rechtsextremen in der Partei. Spätestens seit der vorgetäuschten Selbstauflösung des "Flügels" im April, die lediglich ein formeller Akt war, um die Forderung der Parteispitze umzusetzen, war klar, dass der Machtkampf zum Krieg wird. Die führenden Rechtsaußen-Vertreter, Höcke und Kalbitz, die hochrangige Parteifunktionäre blieben, hatten angekündigt, dass die "Werte, die mit dem Flügel verbunden sind, erhalten bleiben". Die Mitglieder des Netzwerks würden ihren "völkisch-nationalen Kurs" künftig innerhalb der AfD fortsetzen, machte Höcke damals deutlich. Das "großartige Parteiprojekt" versucht seitdem konsequent, die Gesamtpartei zu unterwandern. Um sich von den Rechtsextremen in den eigenen Reihen zu distanzieren, hätte die AfD-Spitze die führenden Vertreter des "Flügels" längst aus der Partei ausschließen müssen. Das wollte man nicht, um genau das zu verhindern, was jetzt passiert. Seit der grotesken Selbstauflösung hat der "Flügel" an Einfluss in der Partei gewonnen. Dem wollte Meuthen mit dem Rausschmiss von Kalbitz einen Riegel vorschieben. Dafür könnte es aber schon zu spät sein. So langsam dürfte auch dem Letzten klar werden, dass Höcke, Kalbitz und Co. ihre Partei nicht verändern, sondern übernehmen wollen. Ob das mit parteiinternen Maßnahmen noch verhindert werden kann, ist fraglich. Möglicherweise sollte die gesamte Partei nach der Machtergreifung durch die völkisch-nationalen Vertreter vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft werden. Der "Flügel" ist es bereits. Wilfried Hub