Ich bin der Meinung, dass...

… unser Nachbar-Landkreis Greiz ein gutes Beispiel dafür ist, wie man mit der Corona-Pandemie auch ohne Lockdown verantwortungsvoll umgehen kann. Unter allen Kreisen und kreisfreien Städten ist der Landkreis einer der wenigen bundesweit, wo der kritische Wert von Neuinfektionen überschritten wird. Dennoch wird es dort vorerst keine strikteren Beschränkungen geben. Der Wert innerhalb einer Woche lag zuletzt bei 80,5 pro 100.000 Einwohner. Die Obergrenze liegt bei 50. Nach den aktuellen Absprachen zwischen Bund und Ländern müsste es dort also begrenzte harte Beschränkungen geben. Doch Landrätin Martina Schweinsburg handelt besonnen. Sie kündigte an, in der kommenden Woche wie überall in Thüringen mit Lockerungen zu beginnen. "Einerseits ist es wichtig, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, andererseits können wir unserer Wirtschaft, unserer Gastronomie keine weiteren Blockaden aufbürden", erläutert Schweinsburg, die seit 30 Jahren Landrätin ist. Ihr Landkreis ist seit Ausbruch der Pandemie ein Hotspot mit bisher mehr als 500 nachgewiesenen Infektionen und mehr als 30 Todesfällen in Zusammenhang mit Corona. Als Ausgangspunkt gelten größere Familienfeiern Ende Februar und Anfang März.
Eine Quarantäne für den gesamten 97.000 Einwohner zählenden Kreis kommt für die Landrätin nicht in Frage. Ein solcher Schritt sei höchstens für einzelne Heime vorgesehen, wenn dort verstärkt Infektionen festgestellt würden. Vergangenes Wochenende wurden 855 Bewohner und Beschäftigte von Pflege- und Seniorenheimen auf Corona getestet. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Infizierten in den nächsten Tagen weiter steigt, weil mehr getestet wird. Die Landrätin will erreichen, dass der Kreis sich soweit wie möglich an den für nächste Woche angekündigten Thüringer Lockerungen orientiert. "Denn es macht in meinen Augen wenig Sinn, bei uns alles zu verbieten, was wenige Kilometer weiter möglich ist", erklärt Schweinsburg. Die Landrätin handelt richtig, nicht zuletzt auch wegen der besonderen geografischen Lage ihres flächenmäßig großen Kreises, der an Sachsen, Bayern und Sachsen-Anhalt grenzt. Mitten im Kreis liegt die kreisfreie Stadt Gera (93.000 Einwohner), die aber deutlich weniger von Infektionen betroffen ist. Die Brennpunkte liegen mit Greiz und Zeulenroda-Triebes eher im südlichen Kreisgebiet. Wilfried Hub