Ich bin der Meinung, dass...

… die Bürger den Politikern bei den Corona-Schutzmaßnahmen demnächst die Gefolgschaft versagen könnten, wenn sich am Bild, das Politik derzeit abgibt, nicht bald etwas ändert. Es ist gut, dass es endlich Streit über den richtigen Weg gibt. Auch dass Kanzlerin Angela Merkel mitzieht. Aber es muss auch Lösungen geben. Und die müssen bei Corona schneller gefunden werden, als es früher in politischen Debatten üblich war. Am besten funktioniert noch das Geld ausgeben. Da ist man sich schnell einig. Obwohl die Angemessenheit bei manchen Entscheidungen fraglich ist. Bei den Lockerungen wäre es gut gewesen, Bund und Länder hätten sich trotz regionaler Unterschiede gleich auf einheitliche Maßnahmen geeinigt. Das Theater um die Maskenpflicht war überflüssig. Nach Diskussionen in fast allen Bundesländern zogen am Ende doch alle gleich. Auch die Länder, die am Anfang noch versprachen, man werde bei den Masken auf Freiwilligkeit setzen. Ähnlich verhält es sich bei den Schulen. In manchen Ländern ging's schon los, andere ziehen erst Anfang Mai nach. Die Geschäfte bis 800 Quadratmeter wurden nach und nach überall geöffnet. Aber natürlich mit Unterschieden. Während in Sachsen die Einkaufszentren noch geschlossen bleiben, sind sie in Thüringen seit Freitag offen. In Sachsen sind Gottesdienste schon in dieser Woche mit 15 Personen möglich, andernorts wird gewartet bis die Kirchen Hygienekonzepte vorgelegt haben. Jedes Land wie es will. Hilflos und genervt, aber immer noch zustimmend, nehmen die Bürger das Chaos zur Kenntnis. Merkel sprach von Öffnungsdiskussionsorgien und lag wohl gar nicht so falsch.
Bei der Frage nach weiteren Lockerungen wurde und wird die Diskussion noch einen Zacken schärfer geführt. Auf der einen Seite viele Politiker mit FDP-Chef Christian Lindner an der Spitze, die ganz schnell ganz viele Lockerungen erzwingen wollen. Auf der anderen Seite die meisten Gesundheitsexperten, die davon nichts wissen wollen und gebetsmühlenartig vor weiteren Lockerungen warnen, um die bisherigen Erfolge nicht zu gefährden. Karl Lauterbach, Epidemiologe und SPD-Politiker, ist einer der Bremser. Die Kanzlerin sieht es ähnlich. Auch ich bin für weitere Lockerungen, habe aber kein besonders gutes Gefühl dabei. Die Einschränkung elementarer Grund- und Freiheitsrechte machen mir Angst. Ich bin nicht besonders empfindlich, aber die Kontaktbeschränkungen schlagen langsam aufs Gemüt. Die Situation zehrt an den Nerven. Jetzt kommt das Wochenende. Darauf hat man sich früher gefreut, weil man etwas unternehmen konnte. Jetzt bleibe ich daheim. Essen und Fernsehen, mal ein Buch lesen, mit Freunden telefonieren oder im Internet surfen. Die Steuererklärung ist auch schon gemacht. Es muss weitere Öffnungen geben. Wie alle anderen will auch ich endlich wieder raus. Doch es gibt keine Veranstaltungen und keine Kulturtermine. Ich träume schon von Biergärten. Wilfried Hub