Ich bin der Meinung, dass...

… dass es trotz der relativ geringen Zahl von Infizierten auch bei uns im Vogtland noch lange dauern wird, bis wieder Normalität einkehrt. Der am Dienstag abgesagte "Tag der Vogtländer" in Schöneck ist ein Symbol dafür. Der Tag sollte am 15. August innerhalb der Festwoche zur 650-Jahr-Feier Schönecks stattfinden. Es war die richtige Entscheidung der Schönecker Bürgermeisterin Isa Suplie und Landrat Rolf Keil, das Fest frühzeitig abzusagen. Das ist bitter für die Bürger und Gäste der kleinen Stadt, aber auch für die Vereine im Vogtland, die sich auf die Teilnahme am Umzug gefreut hatten und bereits mit den Vorbereitungen begonnen haben. Der finanzielle Schaden für die Veranstalter hält sich aber in Grenzen. Ganz anders in der Bayernmetropole München, wo das Oktoberfest gecancelt wurde. Die Absage der Wiesn ist für die Gäste, Festwirte und Schausteller ein herber Schlag. Die 1,2 Milliarden Euro Umsatz, die jedes Jahr rund um das "größte Volksfest der Welt" erwirtschaftet werden, sind futsch. Das trifft vor allem das ohnehin schon stark gebeutelte Hotel- und Gaststättengewerbe. Man hatte gehofft, im Herbst wieder einen großen Schluck aus der Pulle abzubekommen. Ähnliches gilt, wenn auch in weitaus geringerem Umfang, für die Hotels, Restaurants und Gaststätten bei uns. Für die Betroffenen ist es letztlich egal, ob sie einen Landgasthof im Vogtland betreiben oder ein Fünf-Sterne-Haus auf der Maximilianstraße in München. Laut Branchenverband könnten 70.000 Betriebe wegen Corona in Insolvenz geraten.
Alle müssen mit der Krise irgendwie klar kommen. Und kommen es auch. Manche zugegeben nur mit staatlicher Hilfe. Nur "König Fußball" wünscht eine Extrawurst. Ich bin der Ansicht, dass dem Profi-Fußball keine Sonderrolle zugestanden werden sollte und bin gegen Geisterspiele ab 9. Mai. Die Vereine hoffen auf die Fortsetzung des Spielbetriebs, um nicht auf die lukrativen Fernsehgelder verzichten zu müssen. Für die Sender sind es Ausgaben, die sie sich über Werbeeinkünfte der Wirtschaft und Rundfunkgebühren der Zuschauer zurückholen. Der Fußball und die ihn tragenden Vereine sollten sich gerade in Corona-Zeiten als Teil der solidarischen Gesellschaft verstehen und erst dann wieder spielen, wenn Großveranstaltungen erlaubt sind. Es kann nicht sein, dass einerseits alle Gesichtsmasken tragen, überall Kontaktsperren gelten, Kinderspielplätze dicht sind und alle Freizeitaktivitäten bis auf weiteres ausfallen. Anderseits aber für die Bundesliga mehrere zehntausend Corona-Tests verbraucht werden, die in Pflegeheimen, Arztpraxen und Schulen fehlen. Dass ausgerechnet der übervorsichtige bayerische Ministerpräsident Markus Söder für Geisterspiele plädiert, ist sehr verwunderlich. Sogar die Fußball-Fanszene hält wenig davon, mitten in der Krise den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. "Fußball hat eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht", heißt es in einem Aufruf der Ultras. Wilfried Hub