Ich bin der Meinung, dass...

… die Tarifpartner der Pflegebranche klug entschieden haben. Wegen ihrer besonderen Belastung in der Corona-Pandemie erhalten Pflegekräfte eine Sonderprämie von 1500 Euro, die steuerfrei ausbezahlt wird. Darauf einigten sich die Gewerkschaft Verdi und die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche, die mehrere hundert Pflegeanbieter vertritt, unter anderem Arbeiterwohlfahrt und Volkssolidarität. Arbeitsminister Hubertus Heil wird den eigens dafür geschlossenen Tarifvertrag vermutlich für allgemeinverbindlich erklären. Dann müssen auch die kommerziellen Pflegedienste die 1500 Euro an ihre Mitarbeiter bezahlen. Von der Prämie würden dann mehr als eine halbe Million Pflegekräfte profitieren. Die Prämie ist ein Dankeschön, das die Heldinnen und Helden der Krise mehr als verdient haben. Das kann aber nur ein Anfang sein. Die Prämie ersetzt keineswegs eine angemessene Vergütung für die verantwortungsvolle, oft belastende und zu schlecht bezahlte Arbeit. Es müssen künftig faire Löhne bezahlt werden. Die Pandemie verdeutlicht, wie wichtig die Versorgung von alten und pflegebedürftigen Menschen ist. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Die Situation in der Pflege sollte nach der Krise komplett neu geregelt werden. Vor allem der Mangel an Pflegekräften muss beseitigt werden. Sonst rast Deutschland ungebremst noch tiefer in den Pflegenotstand. Allein in deutschen Krankenhäusern fehlen in der Pflege rund 80.000 Mitarbeiter, 16.000 Fachkräfte werden bei den ambulanten Diensten benötigt, in Altenheimen sollen 100.000 Stellen unbesetzt sein. Gesundheitsminister Jens Spahn hat also auch nach der Krise noch ein Riesenproblem. Im Moment geht es vor allem darum, Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste schnell mit Schutzausstattung zu versorgen. Viele Alten- und Krankenpfleger setzen ohne ausreichenden Schutz jeden Tag ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Das kann kein Geld der Welt ausgleichen. Auch keine noch so hohe Sonderprämie. Wilfried Hub