Ich bin der Meinung, dass...

… wir auch in der Krise daran denken sollten, wie es danach weitergehen kann. Die vergangenen Tage waren die der Macher. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben sich Bund und Länder auf einheitliche Regeln für das ganze Land verständigt. 95 Prozent der Deutschen finden laut aktueller Umfragen das Versammlungsverbot richtig. Mit dem aktuellen Krisenmanagement der Bundesregierung sind fast alle zufrieden. Groß ist auch das Vertrauen in die Arbeit unserer Gesundheitseinrichtungen. Die meisten Menschen glauben, dass sie die Corona-Epidemie gut bewältigen können. Trotz der allgemeinen Zuversicht, treiben mich vor allem zwei Fragen um. Wie und vor allem wie schnell kommt die Hilfe des Staates bei den Menschen und den Unternehmen an? Wie wird die Krise unsere Gesellschaft verändern?
Wer die Statements von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier genau verfolgt, konnte feststellen, wie sich die Wortwahl in den vergangenen Tagen verändert hat. Aus einem "die Hilfe ist unbegrenzt" wurde ein "wir tun, was wir können". Es besteht die Gefahr, dass man sich um die großen Unternehmen zwar kümmert, aber kleine Unternehmen und Selbstständige wie Künstler, Heilpraktiker, Friseure und Physiotherapeuten am Ende auf der Strecke bleiben. Versprochen ist eine Soforthilfe von bis zu 15.000 Euro für die nächsten drei Monate. Aber was ist danach? Wichtig ist, dass die Arbeitsagenturen zeitnah die Anträge auf Kurzarbeit bearbeitet können. Doch wie lange werden die Arbeitnehmer mit 60 oder 67 Prozent ihres Nettogehalts auskommen? Die Ankündigung der Regierung, dass keine Arbeitsplätze verloren gehen, wird sich auch nicht halten lassen. Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass sich die Arbeitslosenzahlen deutlich erhöhen werden. Nach dem Ende der Krise wird es lange dauern, bis die Wirtschaft wieder rund läuft.
Auch wenn es im Moment vielleicht schwer fällt, aber wir müssen politisch über den Tag hinaus denken. Das Coronavirus ist zur Bedrohung von Gesellschaften weltweit geworden. Deshalb sind auch in Deutschland Maßnahmen geboten, die uns noch vor Tagen undenkbar erschienen. Und doch ist es Zeit für erste leise Warnungen. Wir müssen wachsam sein, damit die massiven Einschränkungen von Freiheitsrechten von möglichst kurzer Dauer sind. Teilbereiche des öffentlichen Lebens müssen schon bald Schritt für Schritt wieder hochgefahren werden. Natürlich ohne dass es wieder zu einer Ausbreitung der Krankheit kommt. Gut das Justizministerin Christine Lambrecht die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn, die Bevölkerung flächendeckend zu überwachen, abgelehnt hat. Für eine solche Maßnahme gibt es keine Fakten-Grundlage. Im Kampf gegen Corona werden in Deutschland vorerst keine personenbezogenen Handydaten erhoben. Unsere Demokratie darf sich nicht auch noch mit dem potenziell tödlichen Virus infizieren. Wilfried Hub