Ich bin der Meinung, dass...

… unser Nachbarland Bayern beim Kampf gegen die Corona-Pandemie Vorbild sein kann für Sachsen. Anders als Bayern verhält sich unsere Staatsregierung sehr zögerlich bei der Umsetzung der Empfehlungen aus Berlin. "Weil wir mit der Entwicklung noch etwas später dran sind" (Ministerpräsident Michael Kretschmer), ist so ziemlich die dümmste Antwort, die man auf die Frage geben kann, warum in Sachsen weniger energisch gegen Corona vorgegangen wird als in Bayern. Leider konnte so der zeitliche Vorsprung nicht genutzt werden. Bislang hat man den Eindruck, dass die Maßnahmen nicht greifen. Die Straßen und Läden sind voller Menschen, in den Parks nutzen die Leute das gute Wetter - überall dicht an dicht und mit Küsschen rechts, Küsschen links. Ich habe den Eindruck, dass der Appell der Bundeskanzlerin "Bleiben Sie Zuhause!" nicht wirklich wirkt. Viele weigern sich, ihr Leben umzustellen und sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Die Leute meinen, es seien ja "nur" Empfehlungen, die man nicht unbedingt befolgen müsse. Auch die Tatsache, dass viele Schritte nicht zeitgleich überall in Kraft treten, verunsichert die Menschen. Die Warnungen der Politiker und der Gesundheitsexperten werden so nicht mehr ernst genommen. Regelrecht gefährlich sind Corona-Partys, zu denen mancherorts eingeladen wird. Das ist der Tanz auf dem Vulkan. Um das Virus weiter einzudämmen, wird es ohne Verbote und Kontrollen wohl nicht gehen.
Auch im Vogtlandkreis hinkt man hinterher. Während der Landkreis Hof für seine Einwohner bereits am Montag in der Freiheitshalle eine Corona-Teststelle eingerichtet hat, ist es im Vogtland kaum möglich, sich testen zu lassen. Im Kreisgesundheitsamt geht es nicht, da es dort laut Sozialdezernent Uwe Drechsel keine Behandlungskapazitäten gibt. Für den Aufbau zentraler Corona-Teststellen stehe man in Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung, berichtete er am Montag im Kreisausschuss des Vogtlandkreises. Das ist auch dringend nötig, da viele niedergelassenen Ärzte trotz starker Nachfragen solche Tests auch nicht vornehmen. Leser berichten uns, dass sie teilweise mit fadenscheinigen Begründungen abgewiesen wurden. Manche Ärzte erklären den Anrufern, dass kein begründeter Verdachtsfall bestehe oder teilen lapidar mit, dass sie keine Tests hätten. Mit dem Aufbau eigener Möglichkeiten, wolle man die Hausärzte entlasten, sagte Drechsel. Das Fehlen zentraler Teststellen erklärt auch die relativ geringe Zahl an Infektionsfällen in der Region. Das wird sich ändern, wenn mehr Personen getestet werden. Wilfried Hub