Ich bin der Meinung, dass...

… das Coronavirus im Vogtland etwas ernster genommen werden sollte. Zwar gab es bis Donnerstag keine Infektionsfälle. Das rechtfertigt aber nicht, die Epidemie auf die leichte Schulter zu nehmen. Geisterspiele in Stadien, Absagen von Großveranstaltungen, steigende Infektionszahlen - auch in Sachsen sind die Auswirkungen von Corona immer stärker spürbar. Nur im Vogtland ist es ruhig. Zu ruhig. Der Krisenstab im Landratsamt ist nicht aktiviert und es gibt keine offizielle Reaktion auf die Anweisung des Freistaates, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Die Notwendigkeit von Zusammenkünften mit weniger Teilnehmern soll geprüft wurden. Ein bisschen hat man den Eindruck, der Landrat versuche, sich durch die Krise zu mogeln, in dem er die Angelegenheit sich selbst bzw. den Veranstaltern überlässt. Städte und Organisatoren erwarten klare Ansagen. Das Landratsamt sollte zusammen mit den Experten des Gesundheitsamtes zügig entscheiden, was stattfinden kann und was nicht. Viele fragen sich, warum der Bauernmarkt bislang nicht abgesagt wurde. Er stand von Anfang an auf der Kippe, aber spätestens nach dem Erlass aus Dresden hätte man handeln müssen. Der geforderte Meter Abstand zum Nachbarn kann auf dem gut besuchten Markt jedenfalls nicht eingehalten werden. Der Markt mit täglich mehr als 3000 Besuchern hätte am Donnerstag nicht öffnen dürfen. Doch es geht auch um Sport- und Kulturevents, die zwar weniger als 1000 Besucher zählen, von denen aber trotzdem eine Gefahr ausgehen kann. Etliche Veranstalter haben von sich aus erste Termine abgesagt. Viele Menschen sind vernünftig und entscheiden selbst, ob es nötig ist, bestimmte Veranstaltungen zu besuchen.
Es ist erschreckend, dass jedes Bundesland und jeder Kreis für sich entscheidet, was zu tun ist. Was sollen die Menschen davon halten, wenn in einer Stadt Schulen und Kindergärten geschlossen werden, aber in der Nachbarstadt nicht. Oder wenn das eine Fußballspiel vor leeren Rängen ausgetragen wird, sich aber woanders Zehntausende Fans im Stadium tummeln. Empfehlungen und Verbote bringen wenig, wenn sie nicht für alle gelten. Alles andere schürt Angst und verunsichert die Leute. Am Ende werden die Warnungen der Experten nicht mehr ernst genommen. Im Vogtland ist es noch ruhig. Das wird aber nicht so bleiben. Wir alle sollten mithelfen, die Verbreitung des Virus einzudämmen, nicht zuletzt um unser Gesundheitssystem zu schonen. Auf Sport und Kultur können wir verzichten. Sorgen bereiten die Probleme in der Wirtschaft. Einerseits kann in manchen Betrieben nicht gearbeitet werden, weil zu viele Mitarbeiter unter Quarantäne stehen, andererseits trifft uns zunehmend die Abhängigkeit von China. Wochenlang stand in China die Produktion still - nun drohen die Auswirkungen mit Verzögerung auf Europa durchzuschlagen. Mit Lieferengpässen und steigenden Fertigungskosten ist zu rechnen. Wilfried Hub
www.vogtland-anzeiger.de