Ich bin der Meinung, dass...

… der Rechtsstreit zwischen Andreas Kracke, dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Mühlental und Landrat Rolf Keil ganz am Ende keinen Sieger haben wird. Im Gegenteil. Da bei solchen Auseinandersetzungen, egal wie sie ausgehen, meistens an allen etwas hängen bleibt, wird es vermutlich nur Verlierer geben. Das ist häufig so, wenn es eigentlich um einen heftigen politischen Streit geht, der dann irgendwann vor Gericht landet. Dort kann er aber nicht ausgetragen werden. Der Zwickauer Richter hat in dem Zivilprozess am Dienstag zwar (noch) kein endgültiges Urteil gesprochen, doch er machte ziemlich deutlich, wie das vermutlich ausfallen wird. Die Suspendierung des früheren Bürgermeisters Kracke vom 21. Februar 2018 war wohl ebenso wenig statthaft wie der einige Wochen davor erlassene Disziplinarbescheid gegen Kracke. Der Richter schrieb dem Landrat einige kernige Sätze ins Stammbuch, die Rolf Keil vermutlich nicht egal sein dürften. Beide Bescheide seien "grob fehlerhaft" gewesen. Weiter Bürgermeister bleiben konnte Kracke nur, weil das Verwaltungsgericht Chemnitz die Suspendierung nach Krackes Eilantrag wieder aufhob. Die dabei entstandenen Anwaltskosten von 744 Euro muss ihm der Vogtlandkreis ersetzen. Peinlich. Krackes weitergehende Forderung, den Kreis wegen der Verletzung seiner "allgemeinen Persönlichkeitsrechte" zu einer Entschädigung von mindestens 10.000 Euro zu verurteilen, wies der Richter ab. Ein Video, in dem auch Kracke zu sehen ist, in dem ein "Sieg Heil"-Ruf zu hören ist, spielte nur am Rande eine Rolle. Die Vermutung Krackes, an der Veröffentlichung des Videos einschließlich der Berichterstattung darüber, könnte der Kreis eine Aktie haben, wies der Richter zurück. Das Video war über die sozialen Netzwerke verbreitet worden. Am Ende blieb die Frage, wie die Suspendierung in die Öffentlichkeit gelangte. Dazu soll sich Keil innerhalb einer Woche erklären. Meiner Ansicht nach ist es aber gar nicht relevant, wie und durch wen die Provinzposse und deren Details bekannt wurden. In einer Demokratie, in der Transparenz und Bürgernähe für so wichtig erachtet werden, haben die Leute ein Recht darauf, das zu erfahren. Wilfried Hub
www.vogtland-anzeiger.de