Ich bin der Meinung, dass...

… im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus endlich mehr konkrete Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat die Deutschen zu solidarischem Handeln aufgefordert. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was er damit meint. Und Spahn weiter: "Wir werden diese Situation bewältigen. Wenn wir alle mithelfen und zusammenhalten." Klingt sehr nach "Wir schaffen das". Was nach dem Satz der Bundeskanzlerin 2015 geschah, wissen wir. Es fehlte an konkreten Schritten, um die damalige Flüchtlingskrise zu überwinden. Das darf uns beim Coronavirus nicht wieder passieren.
Die Menschen erwarten in schwierigen Situationen Führung von der Politik und keine Wackelstrategien. Ständig im Ungefähren zu bleiben und die Verantwortung wegzuschieben, führt zu Angst und Unsicherheit bei der Bevölkerung. Allein mit Empfehlungen werden wir die Epidemie nicht überwinden können. So werden wir den Vorsprung, den wir wegen unserer hochmodernen Medizinausstattung zu Beginn der Krise hatten, ganz schnell wieder verspielen. Die Maßnahmen, die von den Experten für notwendig erachtet werden, müssen von der Politik auch durchgesetzt werden. Das ist in unserem föderativen Staat, in dem die Länder mitentscheiden, nicht so einfach. Deshalb fordere ich Jens Spahn, den Gesundheitsminister im Bund, und die Landesgesundheitsminister zu "solidarischem Handeln" auf. Es kann doch nicht sein, dass Maßnahmen, die von der Bundesregierung zusammen mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) für nötig erachtet werden, in den Ländern erst noch kritisch hinterfragt werden. Es kann sich, um Himmels Willen, doch keiner darauf berufen, dass Gesundheitsvorsorge Ländersache sei. Das alles in die Hand von Gesundheitsminister Spahn zu geben, der dann mit Experten vom RKI die Fäden zieht, halte ich für viel sinnvoller, als wenn jedes Bundesland und jede Kommune extra für sich entscheidet.
Wir werden weitere Einschränkungen bekommen. Je früher wir damit anfangen, desto schneller wird die Krise bewältigt. Spahn kritisiert, dass seine Empfehlungen zu zögerlich umgesetzt werden. In bestimmten Regionen sei es zu zaghaft zu Absagen gekommen. Wie ignorant muss man sein, diesen Hinweisen nicht Folge zu leisten. Es kann auch nicht sein, dass in der Bundesliga manche Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden und manche nicht. RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann hat mit seiner Forderung nach einer einheitlichen Regelung recht. Es darf bei Geisterspielen nicht zwischen Regionen mit mehr und weniger Infizierten unterschieden werden. Spahns größte Sorge ist, dass unser Gesundheitssystem überlastet werden könnte. Jetzt rächt sich, dass man jahrzehntelang im Gesundheitswesen eingespart und aus Krankenhäusern Wirtschaftsbetriebe gemacht hat. Vielleicht dient dieser Stresstest dazu, wieder zu vernünftigen Arbeitsbedingungen zurückzukehren. Wilfried Hub
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