Ich bin der Meinung, dass...

… es richtig ist, wegen der Ausbreitung von Corona Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zumindest in den stark betroffenen Regionen abzusagen. Falsch an der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn ist, dass es nur eine Empfehlung und keine Anordnung ist. Damit werden Entscheidung und Verantwortung nach unten zu den Ländern geschoben und die wiederum wälzen beides auf die Städte und Gemeinden ab. Von der Empfehlung betroffen ist auch die Fußball-Bundesliga. Trotz möglicher Geisterspiele ohne Publikum soll die Saison aber wie geplant bis Mitte Mai zu Ende gebracht werden. Das Derby Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln am Mittwoch wird vermutlich vor leeren Rängen stattfinden. Dennoch hat man den Eindruck, dass beim Kampf gegen den gefährlichen Erreger bei uns zu zögerlich vorgegangen wird. Frankreich und Österreich zum Beispiel sind konsequenter. Von Italien gar nicht zu reden. In mehreren Ländern wurde die Schließung von Schulen, Kindergärten und Universitäten angeordnet, Großveranstaltungen werden verboten. Oberstes Ziel aller Maßnahmen muss sein, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen. Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen. Es ist ziemlich sicher, dass wir irgendwann in eine Phase kommen, wo wir hinnehmen müssen, dass die Ausbreitung stattfindet. Mit geeigneten Maßnahmen kann vielleicht verhindert werden, dass es bei der Zahl der Erkrankten extreme Steigerungsraten gibt. Die Akzeptanz für Quarantänemaßnahmen ist derzeit vorhanden. Es geht darum, dass öffentliche Leben zu verlangsamen. Es wird nicht nur weitere Einschränkungen im Flugverkehr geben oder im Austausch mit Italien. Es muss tagtäglich entschieden werden, welche Maßnahmen außerdem nötig sind. Möglicherweise ist es sinnvoll, in bestimmten Gebieten auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern abzusagen. Viren lieben nun mal Menschenansammlungen. Und anstecken kann man sich auch in Einkaufcentern, Fabriken und Restaurants. Um das öffentliche Leben nicht komplett lahmzulegen und die Nachteile für die Wirtschaft möglichst klein zu halten, ist entscheidend wo und wann man neue Schritte einleitet. Das muss die Politik gemeinsam mit den Gesundheitsexperten konsequent, aber auch mit Augenmaß entscheiden. Die Eindämmung des Virus kann aber nur gelingen, wenn alle mithelfen. Jeder muss Vorsicht walten lassen. Wilfried Hub