Ich bin der Meinung, dass...

… es beim Fußball endlich wieder mehr um Fußball gehen sollte. Es ist traurig, dass unsere Stadien zu Stätten eines groß inszenierten Konflikts geworden sind. Über das, was Woche für Woche auf dem Rasen passiert, spricht kaum noch jemand. Das muss sich schnell wieder ändern. Es geht längst nicht mehr allein um die Anfeindungen gegen den Hoffenheimer Mäzen Hopp. Längst steht auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Pranger. Fan-Gruppen suchen seit Wochen die offene Konfrontation mit dem Verband. In mehreren Stadien kam es wegen beleidigender Plakate zu Spielunterbrechungen. Der DFB will mit harter Hand gegen die Fans vorgehen. Doch es wäre besser, das Gespräch mit ihnen zu suchen. Der Verband hat überreagiert. Durch die vielen Unterbrechungen am letzten Wochenende, teils auch bei eher harmlosen Plakaten, wurde weiteres Öl ins Feuer gegossen. Es kann nicht sein, dass wegen Schmähungen und Spott, die im Fußball seit Jahrzehnten fast alltäglich waren und auch irgendwie dazu gehören, plötzlich Spiele ab- und unterbrochen werden. Natürlich muss es rote Linien geben. Persönliche Beleidigungen, menschenverachtende und rassistische Äußerungen sind strafbar. Hopp drei Tage nach dem Anschlag in Hanau in einem Fadenkreuz auf einem Plakat zu zeigen, geht zu weit. Es gibt bei Spielen Hundertschaften von Polizisten und Kameras. Da sollte es doch möglich sein, Straffällige sofort festzunehmen. Es ist nicht richtig, dass in Regel die Vereine, nicht aber die wirklichen Täter bestraft werden.
Es ist schwierig, eine Grenze zu ziehen zwischen einer geschmacklosen, aber von der Meinungsfreiheit gedeckten Unmutsäußerung und einer strafrechtlich verfolgbaren Beleidigung. In den genannten Fällen wird sie überschritten. Der DFB sollte aber nicht päpstlicher sein als der Papst. Wer ist heutzutage noch ernsthaft beleidigt, wenn der Sitznachbar im Stadion plötzlich aufspringt und lautstark andere als "Wichser", "Arschloch" oder "Drecksau" beschimpft? Keiner. "So ist das beim Fußball", heißt es dann. "Einfach mal Dampf ablassen." Ist das aber nicht auch eine wichtige Funktion des Fußballs? Die Fans täten gut daran zu akzeptieren, dass es bei der freien Meinungsäußerung Grenzen gibt. Auch wenn manche Fans das gerne hätten: Die Kurve ist kein rechtsfreier Raum. Aber auch der Verband muss sich eingestehen, dass er sich die Fans nicht einfach zurechtbiegen kann. Wilfried Hub