Ich bin der Meinung, dass...

… vor allem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit seinen ständigen Beschwichtigungen zum Coronavirus längst keinen mehr beruhigen kann. Im Gegenteil: Wenn da einer trotz großer Risiken und Bedrohungen pausenlos davon spricht, alles im Griff zu haben, dann gibt das den Leuten keine Sicherheit. Sie bekommen eher Angst. Bei Altmaiers Lieblingsspruch "wir sind gut vorbereitet", den er Tag für Tag gebetsmühlenartig vorträgt, weiß zumindest ich schon nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Deutschland sieht er "auf den möglichen Ausbruch einer Pandemie sehr gut vorbereitet". Und es gibt sogar noch Steigerungen: Altmaier räumt zwar ein, dass "es viel gibt, was wir nicht über diese Epidemie wissen", um sich kurze Zeit später mit einem markigen Spruch selbst zu übertreffen: "Was immer auch passiert, wir sind vollständig vorbereitet." Für wie blöd hält er die Bürger eigentlich? Da lobe ich mir Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der ehrlich informiert wie die Situation gerade ist. Er nennt die Fakten, beschönigt nichts, dramatisiert auch nicht. Anders Altmaier: Wirtschaftliche Probleme, die sich durch Corona ergeben könnten, sieht er trotz weltweiter Börsen-Crashs entspannt: "Wir sind gut vorbereitet und haben auch Mittel, ein Konjunkturprogramm aufzulegen." Auch Hamsterkäufe bringen ihn nicht aus der Ruhe. "Wir sind darauf vorbereitet und erhöhen die Lagerbestände." Es ist gut zu wissen, dass es wenigstens einen in Berlin gibt, der stets Herr der Lage ist. Doch es scheint Altmaiers Masche zu sein, immer und für alles gut vorbereitet zu sein. Ob Klimawandel oder Brexit, die deutsche Wirtschaft und ihr Minister sind gut vorbereitet. Ob Fachkräftemangel oder Flüchtlingskrise - nur gut, dass wir gut darauf vorbereitet sind. Auch wenn deutsche Urlauber wegen der Pleite von Thomas Cook irgendwo festsitzen, der stattliche Politiker aus dem Saarland rät zu Gelassenheit. Sein Ministerium sei auf "alle Szenarien gut vorbereitet". Keine Angst vor Digitalisierung oder Krisen in der Automobilindustrie. Das gute ist, dass wir auch darauf gut vorbereitet sind. Es sind Politiker wie Altmaier, die immer mit weißer Weste dastehen wollen und auf jede Frage eine schnelle Antwort wissen, die die Politik in Verruf bringen. Man kann auch mal zugeben, dass man von einem Problem überrascht wurde und eben nicht gut vorbereitet ist. Mehr Ehrlichkeit führt zu mehr Glaubwürdigkeit. So könnte die allgemeine Politiker-Verdrossenheit vielleicht überwunden werden. Und die Abwanderung von Wählern zu rechts- und linksextremen Parteien auch. Wilfried Hub