Ich bin der Meinung, dass...

… die meisten Ideen und Initiativen der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gewöhnungsbedürftig sind. Aber eben doch nicht alle. Ihr Gesetzentwurf zu Retouren vor allem bei Online-Bestelllungen, die allzu oft im Müll landen, ist sinnvoll. Das vom Kabinett beschlossene neue Gesetz soll verhindern, dass eigentlich noch hochwertige Waren vernichtet werden, etwa um Platz in den Regalen zu schaffen. Oder weil wegwerfen günstiger ist, als zurückgesandte Artikel wieder neu anzubieten oder zu reparieren. Dieser Praxis soll ein Riegel vorgeschoben werden. Schulze fordert die Hersteller auf, zurückgeschickte Waren, oft sogar noch in der Originalverpackung, entweder günstiger wieder anzubieten oder zu spenden. Geplant ist eine sogenannte Obhutspflicht für den Umgang mit Retouren und nicht verkaufter Neuware. Jede sechste Onlinebestellung geht zurück. Ein großer Teil wird zu Abfall deklariert. Der Handel wünscht sich, dass das Spenden von Rücksendungen erleichtert wird, indem die Umsatzsteuer entfällt. Die Verbraucher haben kein Verständnis dafür, wenn hochwertige Waren oder defekte teure Geräte, die leicht repariert werden könnten, im Müll landen. Das habe ich selbst schon erlebt. Ich fragte bei einem Hersteller an, wo ich ein defektes Gerät - es war eine Kaffeemaschine - hinbringen oder hinschicken könnte, damit es repariert wird. Ohne weitere Nachfragen wurde von der Mitarbeiterin im Callcenter meine Adresse notiert, damit ich kostenlos ein neues Gerät bekomme. Ob ich das defekte Teil zurückschicken soll, wollte ich wissen. Nein, werfen sie es weg. Es fällt schwer, das zu akzeptieren. Aber wir werden uns wohl auch in diesen Fällen an die Verschwendung gewöhnen müssen. Das Gesetz, das die Müllflut eindämmen und die Händler zwingen soll, weniger Produkte zu vernichten, ist zu begrüßen. Es fehlen im Gesetzentwurf aber der Zeitplan und die konkreten Regeln für die Umsetzung. Wilfried Hub