Ich bin der Meinung, dass...

… das öffentliche Schweigen des Plauener Wirtschaftsförderers Eckhardt Sorger zu einer wichtigen Gewerbeansiedlung in der Region ein Fehler ist. Gemeint sind die Pläne des Versandhandel-Riesen Amazon, in Hof-Gattendorf ein neues großes Logistikzentrum anzusiedeln. Rund 1000 Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Das Vorhaben war Thema im Ausschuss für Wirtschaftsförderung am Montag. Stadtrat Ingo Eckardt stellte im öffentlichen Teil der Sitzung die harmlose Frage, ob auch Plauen Kontakt zu Amazon hatte. Wirtschaftsförderer Sorger verweigerte die Antwort. Er werde dazu im nicht-öffentlichen Teil sprechen. Es sei ein "wirklich komplexes Thema" ließ er Stadträte und Gäste (öffentlich) wissen. Sorgers kaum nachvollziehbares Verhalten macht das Thema erst richtig interessant. Warum schweigt er? Wen will er schützen? Da wir aus dem Rathaus nichts erfahren, sind wir auf Spekulationen angewiesen. War es etwa so, dass Amazon auch in Plauen anfragte, aber wieder weggeschickt wurde, weil die Stadt keine geeignete Fläche anbieten konnte? Das wäre dann ein zweiter Fall Allgaier, aber in viel größeren Dimensionen.
Der Automobilzulieferer Allgaier errichtete 2015 in Oelsnitz einen Produktionsbetrieb für 100 Mitarbeiter. Das Werk sollte ursprünglich in Plauen gebaut werden, doch die Stadt konnte sich, um es vornehm auszudrücken, mit Allgaier nicht auf ein passendes Grundstück einigen. Dem Maschinenbauer dauerte das zu lang. Er fragte in Oelsnitz an. Dort gelang eine schnelle Umsetzung der Pläne. Auch damals wurde in Plauen gemauert. Es gab zunächst keine Infos aus dem Rathaus. Erst als es gar nicht mehr anders ging und die Spatzen die Details der peinlichen Panne bereits von den Dächern pfiffen, begann Eckhardt Sorger den Sachverhalt aufzuklären. Ein benachbartes Unternehmen hätte wegen der Ansiedlung Bedenken gehabt, hieß es. Die Wirtschaftsförderung wurde wegen ihrer schwerfälligen Ansiedlungspolitik schon öfter kritisiert. In letzter Zeit vor allem wegen unzureichender Zukunftsvorsorge. Für größere Gewerbe- oder Industrieansiedlungen wurden keine Flächen bevorratet. Die Stadt setzte und setzt ausschließlich auf das geplante Industrie- und Gewerbegebiet Oberlosa an der A72. Dort könnte man zwar sofort bauen, aber es gibt Probleme mit den Bürgern von Oberlosa, die den Bebauungsplan möglicherweise sogar vom Gericht überprüfen lassen wollen. Das würde zu erheblichen Verzögerungen führen. Meiner Ansicht nach sollte die Wirtschaftsförderung ihre Politik ändern - hinsichtlich potentieller Investoren, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit. Wilfried Hub