Ich bin der Meinung, dass...

… in manchen Zeitungsartikeln das interessanteste oft erst am Ende steht. Zeitungsleute, vor allem ältere Kollegen, nennen das auch Küchenruf. Das ist die Neuigkeit, die ein Zeitungsleser oder eine Zeitungsleserin im Esszimmer dem Koch oder der Köchin in die Küche zuruft, weil er das soeben Gelesene für sehr interessant oder wichtig erachtet. In meinem Fall würde der Küchenruf lauten: "Hast du schon gehört? Der Oberbürgermeister von Klingenthal will in zwei Jahren als Landrat kandidieren." Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Helmut Schlangstedt meinte Thomas Hennig zwar bescheiden, dass das eigentlich noch zu früh wäre, sagte dann aber schmunzelnd: "Aber gänzlich auszuschließen ist nichts." Das ist zwar noch keine Bewerbung um das höchste Amt im Vogtland, aber zumindest ein Hinweis in diese Richtung. Andere mögliche Kandidaten haben in der jüngsten Vergangenheit sofort abgewinkt. Es ist noch viel Zeit. Die Wahl des neuen Landrates ist für Sommer 2022 vorgesehen. Da wird es noch andere Bewerber geben. Falls Hennig dabei bleibt, dass er das nicht "gänzlich ausschließt", muss er aber zunächst von seiner Partei, der CDU, als Kandidat nominiert werden. Die Kandidatenkür wird vermutlich im Herbst 2021 stattfinden. Zweifellos hat Hennig das Zeug dazu, ein guter Landrat zu werden. Er ist als Klingenthaler OB sehr erfolgreich. Seit seiner Wahl 2013 hat er ohne Kredite 20 Millionen Euro investiert. Gleichzeitig wurden die Schulden um sechs Millionen auf 4,5 Millionen Euro reduziert. Das muss ihm erst mal einer nachmachen. Hennigs größter Coup war die Wiedererlangung des Status Große Kreisstadt. Das könnte an seinen sehr guten Verbindungen nach Dresden gelegen haben. Klingenthal bringt das jährlich einen höheren sechsstelligen Betrag an Zuschüssen und Fördermitteln.
Den ersten Zugriff auf die Kandidatur zum Landrat hat in der CDU Vogtland der Kreisvorsitzende. Das ist Sören Voigt aus Falkenstein, der bereits herausragende politische Positionen bekleidet. Er ist direkt gewählter Abgeordneter des Sächsischen Landtages und seit einigen Monaten sogar stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Es könnte sein, dass er eine politische Karriere in Dresden dem höchsten Amt im Vogtland vorzieht. Der Region ginge er trotzdem nicht verloren. Als Mann mit Einfluss in der Landespolitik könnte er viel für seine Heimat tun. Wie er sich entscheiden soll, weiß er vielleicht selbst noch nicht. Wie gesagt, es sind ja auch noch wenigstens eineinhalb Jahre Zeit. Sören Voigt und Thomas Hennig wären sicherlich ein gutes Tandem, das für unser Vogtland viel Positives bewegen könnte. Welche Kandidaten für die anderen Parteien antreten könnten, ist (noch) nicht bekannt. Und auch nicht ihre Erfolgsaussichten. Da der Landrat oder die Landrätin in direkter Wahl für sieben Jahre gewählt wird, haben wohl auch nur Persönlichkeiten mit hoher Reputation und größeren Parteien im Rücken wirklich gute Chancen. Wilfried Hub