Ich bin der Meinung, dass...

… etwas mehr Gelassenheit unserer Gesellschaft sehr gut tun würde. Im digitalen Zeitalter werden auch harmlose Dinge viel zu schnell zu Aufregerthemen, die dann nur noch unsachlich und mit Schaum vorm Mund diskutiert werden. Ich wundere mich manchmal, wer sich da alles zu Wort meldet und mit welcher Aggression. Nehmen wir zum Beispiel den Kassenbon, der seit Jahresbeginn gesetzlich vorgeschrieben ist, um unlautere Kassenführung zu verhindern. Das Gesetz wurde schon 2016 beschlossen, wird aber jetzt erst umgesetzt. Angeblich gingen dem Staat dadurch bis zu zehn Milliarden Euro jährlich an Einnahmen verloren. Was ist denn falsch daran, wenn jetzt versucht wird, diese Art der Steuerhinterziehung zu verhindern? Eigentlich ist es ganz normal, beim Einzelhändler einen Kassenzettel zu bekommen. Wer beim Bäcker nur eine Semmel kauft, kann ja sagen, dass er keinen Bon möchte oder das Stückchen Papier mitnehmen und entsorgen. Was wird da im Netz alles geschrieben… Vom Bürokratiemonster, vom Rückfall ins Papierzeitalter und von zwei Millionen Kilometern Bonpapier ist da die Rede. Die aberwitzige und umweltschädliche Idee belege das Misstrauen der Regierung gegenüber den deutschen Unternehmen, wettern die Gegner. Manche sehen auch das Klima durch das mit ungesunden Weichmachern versetzte Thermopapier weiter ruiniert. Geht's noch? Ich halte die Zettelwirtschaft für zumutbar und finde die Verpackungsflut, die einem in vielen Geschäften entgegenschwappt, viel schlimmer. Und da handelt es sich meistens um Plastikmüll, der noch in tausend Jahren unsere Meere verschmutzt. Ich fordere ein Verbot zumindest von Mehrfachverpackungen bei Lebensmitteln und Verbrauchsgütern. Es gibt keinen Grund, ein kleines Parfümfläschchen so oft zu verpacken bis daraus ein stattliches Paket geworden ist. Das ist mein Aufreger, aber nicht der kleine Kassenzettel, den es dazugibt. Auch der beliebte "Coffee to go" in Papierbechern trägt nicht unwesentlich zur immer größeren Flut von Papiermüll bei. Im digitalen Zeitalter sollte sich die Zettelwirtschaft aber irgendwann durch neue Technik erledigt haben. Die Regelung des Finanzministeriums erlaubt ausdrücklich Alternativen zum Papierbon, etwa Nachweise aufs Handy. Bis dahin müssen wir mit den Kassenbons in der Einkaufs- oder Hosentasche leben. Wilfried Hub