Ich bin der Meinung, dass...

… die Stadt Plauen am Verlust ihrer Kreisfreiheit vor mehr als zehn Jahren noch lange zu knabbern haben wird. Immer wieder tauchen Probleme auf, die in der Kreisgebietsreform von 2008 ihre Ursache haben. Aktuell geht es um die Finanzierung der Jugendarbeit. Zuständig ist der Landkreis, der seiner Plicht aber nicht nachkommt. Erste Einrichtungen sprechen von Schließung, andere befürchten, wichtige Projekte streichen zu müssen. Bürgermeister Steffen Zenner hat angekündigt, dass die Stadt für 2020 die Betriebs- und Sachkosten der Einrichtungen vorfinanzieren wolle. Vorausgesetzt der Stadtrat spielt mit. Immerhin werden rund 100.000 Euro benötigt. Zenners Bemühungen sind aller Ehren wert, sie lösen das Problem aber nur in diesem Jahr. Spätestens in zwölf Monaten, wenn es um die Finanzierung von 2021 geht, wird der Konflikt wieder aufbrechen. Die Einrichtungen hängen also weiter in der Luft und müssen ständig übers Geld diskutieren, anstatt sich um die jungen Leute zu kümmern, die ihrer Förderung bedürfen. Eine Grundlage für geregelte Arbeit ist das jedenfalls nicht. Die Stadt wird nicht jedes Jahr Feuerwehr spielen können und geht eigentlich davon aus, die Summe, die jetzt vorfinanziert werden soll, vom Kreis wieder zurückzubekommen. Im Streit zwischen Plauen und dem Vogtlandkreis muss eine Lösung gefunden werden, die dauerhaft trägt. Das sind wir unseren Kindern und Jugendlichen schuldig.
Der Sachverhalt ist sonnenklar. Der Vogtlandkreis ist gesetzlich für die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit zuständig. Der Versuch des Landrates, sich per Kreistagsbeschluss die Sach- und Betriebskostenzuschüsse mit den Kommunen zu teilen, scheiterte deshalb. Zu freiwilligen Vereinbarungen mit den Städten und Gemeinden im Vogtland kam es auch nicht. Es handelt sich jedoch um freiwillige Leistungen, die jederzeit gekürzt oder gestrichen werden können. Die jetzige Notlage kommt also eigentlich nicht sehr überraschend. Seit mindestens einem Jahr steht fest, was da auf uns zukommt. Der Landkreis argumentiert mit der schwierigen Haushaltssituation, die für freiwillige Leistungen kaum Spielraum zulasse. Ob man allerdings ausgerechnet bei Kindern und Jugendlichen mit dem Sparen anfangen muss, ist mehr als fraglich. Hier sind die Prioritäten falsch gesetzt. Mir fallen etliche andere Themen ein, die für Kürzungen eher in Frage kommen. Mag sein, dass es für Kinder- und Jugendarbeit keine gesetzliche Verpflichtung gibt. Eine moralische gibt es aber ganz bestimmt. Wilfried Hub