Ich bin der Meinung, dass...

… die Entscheidung des Aufsichtsrates des Theaters Plauen-Zwickau, den Vertrag mit Generalintendant Roland May bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 zu verlängern, sehr klug ist. May steht für Kontinuität, aber auch für Qualität. Der 64-jährige, der ursprünglich aus Weimar stammt, führte und führt das Haus in schwierigen Zeiten. Nicht erst seit Mays Amtsantritt vor zehn Jahren kämpft das Theater um seine Existenz. Es ging immer ums Geld. Dass es das Theater heute noch gibt, ist in erster Linie den Mitarbeitern zu verdanken. Sie stimmten einem Haustarifvertrag zu und verzichteten über viele Jahre auf einen nicht unerheblichen Teil ihres Gehaltes. Das Theater gehört den Städten Plauen und Zwickau. Es finanziert sich aus den Budgets der Städte und über Zuschüsse aus dem Kulturraum, in den der Freistaat Sachsen etliche Millionen Euro einzahlt. Ein kleiner Teil sind Einnahmen aus dem laufenden Spielbetrieb.
May ist es in all den Jahren hervorragend gelungen, zwischen den unterschiedlichen Interessen auszugleichen - zwischen den Mitarbeitern und den Eigentümern, aber auch zwischen den beiden Städten, die unterschiedliche finanzielle Beiträge leisten. Obwohl er immer weniger Geld zur Verfügung hat und in Zwickau wegen des Umbaus des Gewandhauses unter schwierigen Bedingungen gespielt werden muss, ist es Roland May gelungen, die Qualität des Theaters in den zehn Jahren spürbar zu steigern. Sowohl im Musiktheater als auch im Schauspiel erleben wir heute ausgezeichnete Inszenierungen. Regelmäßig inszeniert der Generalintendant selbst. Die Qualitätssteigerung hat auch etwas mit Mays klugen Personalentscheidungen zu tun. Zuletzt holte er Leo Siberski als Generalmusikdirektor ans Theater. Siberski, der unter anderem mit Daniel Barenboim und Kent Nagano weltweit gearbeitet hat, ist es gelungen, das Theaterorchester zu bislang nicht gekannter Qualität zu motivieren. Seit kurzem heißt das Orchester Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau. Ebenfalls eine kluge Entscheidung. Durch die Vertragsverlängerung mit Roland May bleibt es ruhig im Theater. Ein Intendantenwechsel im kommenden Jahr wäre mit einer gewissen Unruhe verbunden gewesen. In der Endphase des Umbaus in Zwickau und im Vorfeld der 900-Jahr-Feier Plauens, bei der das Theater eine wichtige Rolle spielen soll, ist es sinnvoll auf Kontinuität zu setzen. Wilfried Hub