Ich bin der Meinung, dass...

… die CDU-Fraktion im Plauener Stadtrat mit ihrem Antrag zum offenen Kita-Konzept etwas übereifrig übers Ziel hinausgeschossen ist und damit jede Menge Unruhe verbreitet hat. Es geht um das pädagogische Konzept, das in Plauen in allen kommunalen Kitas umgesetzt wird. Die Kritik kommt vor allem von CDU-Stadtrat Tobias Kämpf, der offensichtlich ein persönliches Problem mit den Erziehungsmethoden in den Kitas hat. Kämpf ist auch Sprecher seiner Fraktion im Sozialausschuss. Dort ging es vor einigen Tagen hoch her. Gegner und Befürworter des offenen Konzepts gerieten massiv aneinander. Die mehr als 40 Erzieherinnen und Erzieher sowie Vertreter der Kinder- und Jugendarbeit, die die Debatte im Rathaus verfolgten, bekamen kein Rederecht. Bürgermeister Steffen Zenner konnte den Konflikt aber auflösen, weil er alle Beteiligten, auch Eltern, für März zu einem Info-Tag einlud, um über die verschiedenen pädagogischen Konzepte zu diskutieren.
Kämpf war mit seiner Kritik sehr weit gegangen und hatte sich wohl auch etwas vergaloppiert. Den Erzieherinnen zu unterstellen, es würden ideologische Konzepte umgesetzt, ist schon starker Tobak. Was ist denn falsch daran, wenn man den Kindern zugestehen möchte, ihr eigenes Entwicklungstempo zu finden? Flankierend zum Elternhaus sollten in den Kitas vor allem Regeln und Werte vermittelt werden, so Kämpfs Forderung. Durch das offene Konzept würden die elterlichen Vorstellungen von Werten konterkariert. Das Konzept, zu dem er im vergangenen Monat eine hefige Debatte ausgelöst hatte, wird seit neun Jahren in Plauen angewendet. Bei der offenen Herangehensweise in den Kitas geht es vor allem darum, aus Kindern selbständige und kompetente Menschen zu machen. Auch daran kann nichts falsch sein.
Tobias Kämpf und die CDU sind mittlerweile zurückgerudert. Er habe die Arbeit mit dem offenen Konzept in den Plauener Kitas möglicherweise falsch interpretiert, gestand Kämpf ein. Was lernen wir daraus? Zwei Dinge: Erstens sollte man sich gerade als Stadtrat erst gut informieren bevor man lospoltert. Am besten an der Quelle. Im vorliegenden Fall wären das die Erzieherinnen gewesen, die das Konzept, nach dem sie arbeiten, sicherlich gut erklären können. Und zweitens sind die Gremien des Stadtrates wohl nicht der richtige Ort, um über Pädagogik zu diskutieren. Tobias Kämpf will an seinem Antrag festhalten, das offene Konzept im Stadtrat auf den Prüfstand zu stellen. Vielleicht sollte er das besser lassen. Wilfried Hub