Ich bin der Meinung, dass...

… in der Politik derzeit wirklich jedes Thema herhalten muss, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Während die Auseinandersetzung um den Ausstieg Bayerns und Baden-Württembergs aus dem geplanten Nationalen Bildungsrat ja noch irgendwie nachvollziehbar ist, trägt der jetzt entbrannte Zank um die Termine der Sommerferien schon eher groteske Züge.
"Das bayerische Abitur soll bayerisch bleiben", begründete Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinen Alleingang, dem sich kurz danach auch Winfried Kretschmann, der grüne Regierungschef aus Stuttgart, anschloss. Beide haben Sorge, dass ein "Berliner Zentral-Abitur" eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bedeuten könnte. Es bringe nichts, "wenn am Ende alle auf einem niedrigeren Niveau sind", sagt Söder, der das hohe Bildungsniveau im Freistaat retten und keine Bremer oder Berliner Verhältnisse möchte. Recht hat er. Er pocht darauf, dass Bildung laut Grundgesetz Ländersache ist. Und Sachsen? Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist gegen vereinheitliche Länder-Bildungssysteme. Um die Bildungsunterschiede zwischen den Ländern und die Vergleichbarkeit des Abiturs kümmert sich derzeit die "Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder". Dieses bürokratische Monstrum durch ein neues zu ersetzen, ist wenig sinnvoll.
Die Befürworter eines Bildungsrates sind stark verärgert. Der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) meint sogar, man sollte das Gremium notfalls ohne Bayern und Baden-Württemberg einsetzen. Doch ohne die beiden Südländer ist der Bildungsrat mausetot. Die von der SPD geführten Regierungen, die für das Gremium sind, sinnen jetzt auf Rache. Sie wollen "eine klare Botschaft Richtung Süden geben" und Bayern und Baden-Württemberg die Privilegien bei den Sommerferien nehmen. Klingt lächerlich, ist aber so. Der komplexe, aber funktionierende Ferienkalender soll plötzlich neu geordnet werden.
Um Staus auf den Autobahnen zu vermeiden, haben sich die Länder vor Jahrzehnten auf ein sogenanntes rollierendes System verständigt. Die Länder wechseln sich mit frühem und späterem Ferienbeginn ab. Nur im Süden beginnen die Sommerferien traditionell immer Ende Juli/Anfang August. Söder will, dass das auch so bleibt. Jetzt kündigen einige Kultusminister aber an, dass künftig jedes Land wie Bayern im Alleingang die Sommerferien festlegen wird. Bis 2024 stehen die Ferientermine fest. Sollte die Politik nicht doch noch zur Vernunft zurückkehren, könnte danach das totale Chaos auf den Autobahnen ausbrechen. Wilfried Hub