Ich bin der Meinung, dass...

… die Landwirte, die gestern zu Tausenden mit ihren Traktoren in Berlin vorm Brandenburger Tor gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstrieren, auf der Rückfahrt in ihre Höfe eigentlich auch bei jedem von uns vorbeikommen sollten, um zu protestieren. Es ist vor allem die "Geiz-ist-Geil-Mentalität" der Verbraucher, die die landwirtschaftlichen Betriebe in den Ruin treibt. Die Dumpingpreise bei Lebensmitteln nehmen den Bauern die Luft zum Atmen. In dieser prekären Situation, die angekündigten neuen Gesetze umzusetzen, scheint unmöglich. Die Landwirte halten die Klima- und Umweltschutzanforderungen, die an sie gestellt werden, für überzogen. Sie wehren sich dagegen, dass die Düngeverordnung weiter verschärft werden soll und die Bundesregierung ihnen das Düngen erschweren will. Außerdem haben sie es satt, die Prügelknaben der Nation zu sein. Sie fühlen sich als Tierquäler und Umweltsünder an den Pranger gestellt. Dabei zählen die Bauern durch den Erhalt unserer Kulturlandschaft doch eigentlich zu den größten Umweltschützern der Nation.
Es klingt nach Heuchelei, wenn Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagt, dass sie Verständnis dafür hat, dass die Bauern auf die Straße gehen. Schließlich gehört sie genauso wie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) der Regierung an. Vor allem Schulze drängt auf schärfe Gesetzte. Die Politik mutet den Landwirten zu viele Veränderungen zu, ohne davor die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben. Es fehlt die gesellschaftliche und mediale Wertschätzung. Es mangelt den Verbrauchern an der Bereitschaft, für höhere Erwartungen an Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz auch mehr zu zahlen. Bei den Preisen im Supermarkt für Fleisch aus dem Ausland, kann kein deutscher Bauer mithalten. Mit 31 Cent pro Liter Milch wird der Landwirt vom Handel (unter)-bezahlt. Normal wäre ein Literpreis von 40 bis 50 Cent für den Milchbauern. Die Landwirte kämpfen um ihre Existenz. Neue Umweltgesetze, die ihre Situation weiter verschärfen, kommen da nicht gut an. Gleichwohl sind Insektenrückgang, Tierwohl, Umweltschutz und sauberes Grundwasser Themen, die dringend angegangen werden müssen. Das sehen übrigens auch die Landwirte so. Wilfried Hub