Ich bin der Meinung, dass...

… immer mehr Traditionen leider aufgegeben werden. Dass Weihnachten schon längst nicht mehr nur das beschauliche christliche Fest mit Weihnachtsmann, Äpfel. Nuss und Mandelkern ist, wissen wir. Kommerz dominiert das Fest. Es geht weniger um Besinnlichkeit als um große Geschenke. Wir haben uns daran gewöhnt, dass schon im Sommer die ersten Schoko-Weihnachtsmänner in den Regalen der Geschäfte liegen und offensichtlich auch gekauft werden. Aber jetzt scheinen alle Dämme zu brechen. Die meisten von uns kennen die Regelung, dass die Weihnachtspyramide oder die Weihnachtsdeko im Allgemeinen erst nach dem Totensonntag eingeschaltet wird. Der ist in diesem Jahr am 24. November. Ein kurzer Ausflug in die Geschichte erklärt, wieso. Eingeführt wurde der Feiertag um 1816 von König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen. Der Totensonntag soll den Toten gedenken und daran erinnern, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist. Dieser Tag stellt den letzten Sonntag im sogenannten Kirchenjahr dar. Danach beginnt die Adventszeit und damit auch die Zeit des "Anschaltens" der Weihnachtsbeleuchtung. Die meisten Weihnachtsmärkte öffnen (eben aus jenem Grund) ebenfalls erst danach.
Viele halten sich nicht mehr an den Brauch und haben ihre Wohnungen längst auf Weihnachten umgestellt. Man sieht es an den beleuchteten Fenstern. Schließlich kann in seinen eigenen vier Wänden jeder machen was er will. Dass aber bereits seit Anfang dieser Woche in der Plauener Fußgängerzone die Weihnachtsbeleuchtung brennt, muss nun wirklich nicht sein. Es verwundert, dass die Kirchen nicht schon längst protestieren. Auch einige Stadträte, die sich bei Kirchen-Themen gerne zu Wort melden, schweigen. Auch das hätte eine gewisse Tradition, die wohl auch aufgegeben wurde. Erst dachte ich, die Dekoration, die übrigens sehr gelungen ist in diesem Jahr, würde lediglich zu Testzwecken leuchten. Aber die Tage danach war es auch so. Selbst die Hauptstadt Berlin, die gerne Vorreiter ist, wenn's hell und bunt sein soll, hält sich noch zurück. Die Lichtinszenierung am Kurfürstendamms mit den leuchtenden Bäumen, beliebten weihnachtlichen Motiven und fantasievollen Figuren wird erst am 27. November, pünktlich um 18 Uhr gestartet. Jetzt schon die Innenstadt im weihnachtlichen Glanz erstrahlen zu lassen, ist einfach zu früh. Wilfried Hub