Ich bin der Meinung, dass...

... der Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario Horn dafür sorgen sollte, dass die Bronzeplastik, die bis vor kurzem vor der Integrativen Kindertagesstätte "Am Stadion" an der Otto-Riedel-Straße stand, wieder an ihren alten Standort zurückkehrt. Im Moment ist das Kunstwerk des bekannten und renommierten Chemnitzer Bildhauers Volker Beier im Keller der Oelsnitzer Grundschule am Karl-Marx-Platz eingelagert. Die Skulptur war im Zuge von Bauarbeiten in der Kita entfernt worden und sollte wohl nicht wieder aufgestellt werden. Die Bronzeplastik "Mutter und Kind" zeigt eine unbekleidete Frau mit einem nackten Kind. Das Kunstwerk ist weder geschmacklos, noch obszön oder pornographisch. Wir berichteten am Dienstag darüber. Vom Kita-Team wird die Plastik als "nicht mehr zeitgemäß empfunden". Das, mit Verlaub gesagt, ist aber Unsinn. Ich denke, die Erzieherinnen sind fachlich auch nicht dazu in der Lage, beurteilen zu können, was in der Kunst zeitgemäß ist. Die Skulptur ist sehr gelungen und von zeitloser Ästhetik. Da die Kita städtisch ist, liegt die Entscheidung über den Verbleib der Plastik beim Oberbürgermeister und beim Oelsnitzer Stadtrat. Mario Horn sollte mit dem Team der Kita reden und die Damen überzeugen, dass das Kunstwerk da wo es war am besten aufgehoben ist.
Man kann es Bilderstürmerei nennen, die ja in Deutschland eine gewisse Tradition hat, oder Rückfall ins Mittelalter. Beides passt nicht zu einer modernen und weltoffenen Stadt wie Oelsnitz. Die Empörung des heute 76 Jahre alten Künstlers kann man gut verstehen. Wie mit seinem in Werk jetzt umgegangen wird, muss er sich im übrigen nicht gefallen lassen. Die Stadt kann die Bronzeplastik nicht ohne weiteres umsetzen oder dauerhaft einlagern. Laut Urhebergesetz hat der Künstler auch nach einem Verkauf bei Aufstellung und Präsentation seines Werkes ein Mitspracherecht. "Die Kinder hatten keinen Bezug zu der Statue", sagt die Kita-Leiterin Silke Riedel. Zudem seien die Figuren oft als Klettermöglichkeit genutzt werden. Das ist eigentlich der beste Beweis dafür, dass das Kunstwerk von den Kindern angenommen wurde. Dagegen hat der Künstler ganz bestimmt nichts einzuwenden. Ich kann nicht glauben, dass die Oelsnitzer allesamt Kunstbanausen sind. Das Erzieherinnen-Team um Silke Riedel will am Freitag entscheiden, ob es mit der Beier-Plastik vielleicht doch ganz gut leben kann. Es wäre nicht gut, wenn die Kunst in Oelsnitz nur durch ein Machtwort des Oberbürgermeisters zu ihrem Recht kommt. Wilfried Hub