Ich bin der Meinung, dass...

… es schon verwundert, dass sich ausgerechnet der etwas spröde Finanzminister und Hanseat Olaf Scholz (SPD) am elften im elften die Narrenkappe aufgesetzt hat. Er will Vereinen, die nur Männer oder Frauen aufnehmen, die Steuervorteile streichen, also die Gemeinnützigkeit entziehen. Die Schützenvereine laufen bereits Sturm. Aber es wird sich vermutlich weiterer Widerstand regen. Es ist ja verständlich, dass Scholz, der SPD-Vorsitzender werden will, noch mit dem ein oder anderen populistischen Vorschlag auf sich aufmerksam machen möchte. Aber muss es unbedingt dieses abgedroschene Thema sein, das alle paar Jahre aufs Neue diskutiert wird? Wir haben gewiss größere Probleme, denen sich der Finanzminister annehmen sollte. Dass es reine Männervereine gibt, hat weniger etwas mit Frauenfeindlichkeit zu tun als mit Tradition. Neben den teilweise Jahrhunderte alten Schützenbruderschaften, gibt es auch im Karneval Vereine und Veranstaltungen, die Männern vorbehalten sind. Und übrigens auch solche, bei denen nur Frauen Zugang haben. Die Serviceclubs (Rotary, Kiwanis, Lions), die ja auch im Verdacht stehen, reine Männerdomänen zu sein, sind besonders breit aufgestellt. Es gibt reine Männerclubs, reine Frauenclubs und gemischte. Dem Club der Soroptimisten, einen solchen gibt es auch in Plauen, gehören nur Frauen an. Soll dem Club deshalb die Gemeinnützigkeit entzogen werden? Wie ist es mit dem Landesfrauenrat Sachsen, dem Dachverband sächsischer Frauenverbände, Frauenvereine, Fraueninitiativen und Frauenvereinigungen? Müsste der sich jetzt auch für Männer öffnen? Das Thema ist wirklich alter Käse. In den sogenannten Männervereinen, die dem Finanzminister vor allem ein Dorn im Auge sind, sind die Frauen ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens. Die Vereine sind lebendiger Teil unserer Gemeinschaften in den Dörfern den Städten. Sie leben und feiern mit den Bürgern und sind sozial engagiert. Ihr ehrenamtliches Engagement ist hoch geschätzt. Die Serviceclubs übernehmen Aufgaben, die der Staat und die Kommunen schon längst nicht mehr wahrnehmen können. Lieber Herr Scholz, vielleicht sollten Sie sich doch etwas anderes einfallen lassen, um den Frauen in ihrer Partei zu imponieren. Wilfried Hub