Ich bin der Meinung, dass..

.. die Stadt Plauen einen sehr gelungen Festakt zum 30. Jahrestag des Mauerfalls organisiert hat. Unter dem Motto "Herbst 1989 - Freiheit durch Bürgermut" gab es am Samstag im Vogtlandtheater eine sehr würdevolle Veranstaltung der Partnerstädte Plauen und Hof, die wohltuend anders war als andere Feiern zum Wendejubiläum. Es war alles da, was Rang und Namen hat. Allen voran Innenminister Horst Seehofer, der lieber nach Plauen kam als an der zentralen Feier am Brandenburger Tor in Berlin teilzunehmen. Der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der frühere bayerische Regierungschef Günther Beckstein waren da und natürlich die beiden Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer und sein Hofer Amtskollege Dr. Harald Fichtner. Zu Wort kamen neben den "Offiziellen" auch authentische Zeitzeugen wie Hofs Alt-OB Dieter Döhla, der Botschaftsflüchtling Jens Hase, der Kommunalwahlbeobachter von 1989, Steffen Kollwitz und der Filmer der ersten Demo in Plauen, Detlev Braun. Sie berichteten über "ihren" 9. November. Natürlich wurde die herausragende Rolle Plauens zur Wendezeit gewürdigt.
All das wäre noch nichts Besonderes zu solch einem Jahrestag. Es waren Stimmung und Atmosphäre im Saal, die besonders waren. Es ging lustig und locker zu. Der Abend war geprägt von Leichtigkeit, Witz und Ironie. Man kann sagen, es wurde fröhlich miteinander gefeiert. Das passte zu den unglaublichen Ereignissen von vor 30 Jahren, die den DDR-Bürgern die Freiheit brachten. Andernorts überwogen mahnende Worte, Probleme und das Beschreiben von Zukunftsängsten. Uns Deutschen fällt es ja bekanntlich schwer, solche Jubiläen unbeschwert zu feiern. Auch am Samstag in Plauen war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Demokratie und Freiheit müssten jeden Tag aufs Neue verteidigt werden - auch gegen die, die geschichtsvergessen versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten, so sagte Dieter Döhla. "Wir haben allen Grund zur Freude und können mit Mut und Zuversicht in die Zukunft gehen", so Michael Kretschmer.
Ganz anders die Feier im Bundestag. Viele werden sich noch daran erinnern als sich am Abend des 9. November 1989 die Abgeordneten des Bundestages nach der Ankündigung der Mauerfalls von ihren Sitzen erhoben und die deutsche Nationalhymne sangen. Letzte Woche war das Hohe Haus nur spärlich besetzt und es wurde viel über Fehler gesprochen und es gab die üblichen Schuldzuweisungen. Freude kam jedenfalls nicht auf. Es war eine beschämende, eher unwürdige Veranstaltung. Wilfried Hub