Ich bin der Meinung, dass...

… bei der Abschiebepraxis von Asylbewerbern in Sachsen manches im Argen zu liegen scheint. Nach einem ähnlichen Fall im Sommer wurde diese Woche wieder ein gut integrierter Flüchtling aus Plauen abgeschoben. Ein 26-jähriger Afghane, von Beruf Schweißer, der seit August mit festem Vertrag beim Autozulieferer Boysen arbeitet, von den Kollegen als freundlich, ehrlich und fleißig beschrieben, wurde am Arbeitsplatz auf eine besonders rabiate Weise festgenommen. Nach einem gescheiterten Eilantrag seines Anwalts saß er ein paar Stunden später mit 36 ebenfalls abgeschobenen Afghanen in Leipzig im Flugzeug Richtung Kabul.
Abschiebungen von Flüchtlingen sind grundsätzlich richtig, vor allem wenn sie nicht bereit sind, sich integrieren zu lassen, also nicht Deutsch lernen wollen, nicht arbeiten oder Straftaten begehen. Im vorliegenden Fall scheint es aber wieder den Falschen getroffen zu haben. Der Afghane wäre für eine sogenannte Beschäftigungsduldung in Frage gekommen. Meint zumindest die Betreuerin im Arbeitsamt. Die lange geforderte Regelung, die im Sommer beschlossen wurde, tritt leider erst am 1. Januar 2020 in Kraft. Versuche, die Abschiebung bis Jahresende hinauszuzögern, schlugen fehl.
Hier läuft etwas falsch. Diejenigen, die in geordneten Verhältnissen leben und jederzeit zu Hause oder am Arbeitsplatz anzutreffen sind, müssen gehen. Die "Problemfälle" dagegen, also Ausländer, die auffällig wurden, vielleicht sogar kriminell sind, dürfen bleiben, weil sie nicht auffindbar sind. Hier macht es sich der Staat zu leicht. Es darf nicht sein, dass genau die Personen abgeschoben werden, bei denen eine Integration zu gelingen scheint. Man hat das Gefühl, dass die Behörden lieber die "einfachen" als die "Problemfälle" angehen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Meiner Ansicht nach sollte bei Abschiebungen auch gesunder Menschenverstand eine Rolle spielen. Bei Flüchtlingen, die bereits gut integriert sind, muss im Interesse aller eine andere und vor allem menschlichere Lösung gefunden werden. Wer Deutsch spricht, arbeitet und sich an deutsche Gesetze hält, sollte bleiben dürfen. Zumal, wenn es sich um Arbeitskräfte handelt, die bei uns dringend gebraucht werden. Wilfried Hub