Ich bin der Meinung, dass...

… die Pläne der Deutschen Bahn, einigen ihrer Vorstände satte Gehaltserhöhungen zukommen zu lassen, unverschämt und unanständig sind. Es handelt sich dabei wohlgemerkt nicht um "normale" Gehaltsanpassungen von ein paar Prozent wie bei anderen Bahn-Mitarbeitern. Es geht um ein Plus von 185.000 Euro pro Jahr und pro Person. Für einige des sechsköpfigen Vorstands, und zwar für die, die erst kürzlich berufen wurden, ist eine Erhöhung von 400.000 auf 585.000 Euro vorgeschlagen. Die Bahn hatte die Vorstandsgehälter von einem Unternehmensberater untersuchen lassen. Allein das ist schon seltsam. Das Ergebnis war vorhersehbar: Die Einstiegsgehälter für Vorstände seien im Vergleich zu anderen Unternehmen zu niedrig. Insgesamt könnte der gesamte Vorstand so 1,5 Millionen Euro mehr Geld bekommen. Das wäre ein Plus von 33 Prozent. Das entrüstet nicht nur die Bahn-Mitarbeiter, sondern alle Bürger, die nicht verstehen können, dass so leichtfertig und ohne Not so viel Geld ausgegeben werden soll. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nannte das etwas verharmlosend "ein falsches Signal". Der Bund ist Eigentümer der Bahn und im Aufsichtsrat mit drei Mitgliedern vertreten. Das Kontrollgremium wird am Donnerstag über die unangemessenen Gehaltserhöhungen entscheiden. "Erst bessere Ergebnisse, dann bessere Vergütung", meint Scheuer. Recht hat er. Die wirtschaftliche Situation der Deutschen Bahn sei besorgniserregend, so der Bundesrechnungshof erst kürzlich. Insgesamt fehlten dem Unternehmen 2019 drei Milliarden Euro. Die Bahn steht seit langem in der Kritik - sei es wegen kaputter Klimaanlagen oder verspäteter Züge. 2018 kamen nur etwa drei Viertel alle Fernzüge pünktlich ans Ziel. In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat die Bahn 900 Fernverkehrszüge gestrichen, ohne dass es Ersatz für die ICEs und ICs gegeben hätte. Wenig Anlass also, die Gehälter so unverschämt anzuheben. Wilfried Hub