Ich bin der Meinung, dass...

… der Bundestag mit seiner Entscheidung, einen Mindestlohn für Auszubildende festzulegen, einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan hat. Lehrlinge bekommen künftig im 1. Lehrjahr mindestens 515 Euro im Monat. Bis 2023 soll der Azubi-Lohn auf 620 Euro steigen. Die Vergütungen im 2. und 3. Lehrjahr werden angepasst. Die Entscheidung war dringend nötig und längst überfällig, da Azubis in einigen Berufen, vor allem im Osten, bislang einen mehr als bescheidenen Lohn erhalten. Das belegt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung. Auch die Unterschiede zwischen den Berufen sind gravierend. Während ein Maurer-Lehrling im Westen mit 1000 Euro monatlich rechnen kann, verdienen angehende Friseure im Osten nur einen Bruchteil davon, nämlich 270 Euro. Auch Floristen profitieren vom Mindestlohn. Die Azubis im Osten verdienen nur 422 Euro.
Die Bundesregierung will die Berufsausbildung, vor allem im Handwerk, attraktiver machen und die Abbrecherzahlen in der Ausbildung verringern. Wenn sie das wirklich erreichen will, darf sie aber nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Die jetzt beschlossene Reform des Berufsbildungsgesetzes muss nachgebessert werden. Und zwar nicht nur was die Höhe des Mindestlohnes anbelangt. Wegen der großen Unterschiede bei der Bezahlung bleiben einige Berufe weiter unattraktiv. Manche Betriebe haben das längst erkannt. Sie zahlen deutlich mehr als der Durchschnitt, um überhaupt noch Lehrlinge zu bekommen. Auch die Unterschiede zwischen Ost und West müssen 30 Jahre nach der Einheit endlich angeglichen werden. Wegen ihrer Nähe zu Bayern wäre das gerade für unsere Region sehr wichtig. Warum sollte jemand im Vogtland eine Ausbildung beginnen, wenn er 30, 40 Kilometer weiter deutlich mehr Lehrgeld bekommt? In etlichen Branchen hat man reagiert. Die Betriebe im Osten zahlen dieselben Löhne wie im Westen. Der Durchschnittslohn im Bäckerhandwerk ist hier wie dort gleich, auch wenn er nur bei bescheidenen 600 Euro liegt. Bei Mechatronikern (980 Euro), Industriemechanikern (950) und Kaufleuten (990) gibt es ebenfalls keine Unterschiede mehr.    Wilfried Hub