"Ich bin der Meinung, dass..."

… die Worte von Willy Brandt, des früheren Bundeskanzlers, nach wie vor sehr aktuell sind. Nicht nur den Politkern der SPD ist anzuraten, sich intensiv mit Leben und Wirken dieses legendären deutschen Politikers und SPD-Vorsitzenden (1964 bis 1987) zu beschäftigen. Vor genau 50 Jahren wurde Willy Brandt zum Kanzler gewählt. Für die junge Bundesrepublik war er der große Hoffnungsträger. Er leitete die weltpolitische Wende ein und versöhnte die (West)-Deutschen mit ihrer Geschichte. Die friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wäre ohne Willy Brandts Ostpolitik kaum möglich gewesen. Die Politiker, die heute Verantwortung tragen, sollten sich ihn zum Vorbild nehmen. In seiner ersten Rede als Kanzler prägte Brandt einen Satz, den man auch heute noch mit ihm verbindet und der aktueller denn je ist: "Wir wollen mehr Demokratie wagen." Gemeint war mehr Transparenz bei den Entscheidungen der Regierenden und mehr Teilhabe der Bürger, also mehr Bürgernähe.
Vor allem die Verständigung mit dem Osten war Brandt wichtig. Er suchte den Dialog mit der DDR und mit der Sowjetunion. Im März 1970 reiste er als erster deutscher Kanzler mit dem Zug nach Erfurt, um sich mit dem damaligen Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, zu treffen. Es kam danach zu Verträgen, die die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten etwas durchlässiger machten. Verträge mit weiteren Staaten des Ostblocks folgten. Unvergessen ist Brandts Kniefall vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist. Willy Brandt gilt neben Konrad Adenauer als wichtigster deutscher Politiker. Für seinen wesentlichen Betrag zum Frieden und zur Entspannung zwischen Ost und West erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. Wilfried Hub