Ich bin der Meinung...

… die katholische Kirche dabei ist, sich langsam selbst abzuschaffen. Zumindest in Deutschland befindet sie sich schon lange in der Krise. Es gibt viel zu wenig Priester. In diesem Jahr werden gerade mal 57 Männer geweiht - das ist der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Im vergangenen Jahr musste ein Neupriester elf endgültig ausgeschiedene ersetzen. 2019 sind so viele Katholiken aus der Kirche ausgetreten wie noch nie - insgesamt 272.000. Vor diesem Hintergrund ist die Verärgerung und der Zorn vieler Katholiken über die neueste, gänzlich unerwartete Anweisung aus Rom verständlich. Der Vatikan hat Laien als Gemeindeleiter eine Absage erteilt. Die deutschen Katholiken hatten sich eine Öffnung der Dienste für Laien erhofft - zum Beispiel die Predigt in der Eucharistiefeier sollte ermöglicht werden. Auch die Führung einer Gemeinde sollte Laien erlaubt werden. Doch Rom ist dagegen. Allein der geweihte Priester sei der "Hirte der ihm übertragenen Pfarrei". Die Leitung der Gemeinde sei zwingend an das Sakrament der Weihe gebunden. Auch nicht im Falle des Priestermangels dürften Laien Titel oder Funktionen eines Pfarrers übernehmen, heißt es in dem Dokument. Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), kritisierte die neue Vatikan-Instruktion scharf. Sie verfehle die Realität der katholischen Kirche in Deutschland. Der Priestermangel habe längst dramatische Züge angenommen. Das Bild von der Pfarrgemeinde, die sich um den Pfarrer schart, sei überholt. Es gibt viele Katholiken, die sich für die Zukunft ihrer Kirche engagieren wollen, die sich ein Leben ohne Kirche auch nicht vorstellen können. Sie suchen nach Lösungen, wie Gemeinden auch mit weniger Priestern und Gläubigen lebendig bleiben. Diesen fällt Rom einmal mehr in den Rücken. Wilfried Hub