Ibrahim H.: "Der Islamische Staat wird Euch alle töten"

Vor dem Landgericht Zwickau wurde am Montag der Prozess gegen die beiden Asylbewerber aus Somalia Ibrahim H. und Ahmed J. fortgesetzt. Die Angeklagten und ihr Opfer waren bereits am Vortag aneinandergeraten.

Zwickau - Den 26 und 22 Jahre alten Schwarzafrikanern wird vorgeworfen am 3. Dezember 2015 an der Straßenbahnhaltestelle Hans Löwel Platz in Plauen einen Deutschen erst verprügelt und ihm anschließend mit einem Messer einen Stich in den Rücken versetzt zu haben. Am Montag konzentrierte sich die Verhandlung jedoch auf die Nacht vor dem eigentlichen Tatgeschehen. Da nämlich sollen das Opfer und die Angeklagten schon einmal aufeinandergetroffen sein.

Am Montag sagte dazu der Freund des Opfers aus. Er war trotz Ladung zum letzten Prozesstag nicht erschienen und wurde von der Polizei vorgeführt. Er bestätigte, dass es bereits einen Tag zuvor zu einer Auseinandersetzung gekommen war. Allerdings habe das spätere Opfer dabei nur als Dolmetscher fungiert und die Attacke eher ihm gegolten. Er habe sich von Ibrahim H. und Ahmed J. provoziert und beleidigt gefühlt. Das habe sein Freund aus dem Englischen übersetzt.

Als er von den beiden Angeklagten eine Erklärung fordern wollte, habe ihm Ibrahim H. unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Zuvor habe er ihm in gebrochenem Deutsch gesagt: "Dich und Deine Familie mache ich fertig". Das findet Verteidiger Friedhelm Strake merkwürdig: "Mein Mandant spricht kein Wort Deutsch", erklärte er dem Gericht. Prozessbeobachtern fiel hingegen auf, dass das Bargeld das der Zeuge angeblich von den Schwarzafrikanern nach deren Aussage gefordert haben soll, plötzlich keine Rolle mehr spielte.

Dafür ist auch das Vorstrafenregister des Zeugen nicht gerade klein. Neben mehreren Verurteilungen wegen Körperverletzung findet sich dort auch ein Eintrag wegen Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen. In München hatte er lautstark "Sieg Heil" gerufen und vermutlich auch den Hitlergruß gezeigt.

Tschechischer Arzt fühlt sich auch bedroht

Die Ex-Freundin des Zeugen die das Geschehen ebenfalls miterlebt hatte, war zum zweiten Mal nicht vor Gericht erschienen. Auch die Zuführung durch die Polizei blieb ergebnislos, weil sie am Montagmorgen nicht zu Hause angetroffen wurde. Das Gericht verzichtet jetzt auf deren Aussage, ebenso wie auf die Anhörung eines tschechischen Arztes, dem die beiden Angeklagten kurz nach ihrer Verhaftung im Helios- Klinikum in Begleitung zweier Polizisten zur Blutentnahme vorgestellt wurden.

Der Arzt in Ausbildung hatte eigentlich am Mittwoch aussagen sollen. Allerdings hatte er bereits gegenüber der Polizei mitgeteilt, dass er Angst vor einer möglichen Rache von Ibrahim H. habe. Immerhin sei er von dem Somalier massiv bedroht worden. Unter anderem sollen in englischer Sprache diese Sätze gefallen sein: "Der Islamische Staat wird Euch alle töten", "Erst töte ich Deine Kinder und dann Deine Frau", "Ich steche Dich ab" und während der Blutentnahme: "Dein Blut wird auch bald so fließen".

Ibrahim H. ließ seinen Anwalt Friedhelm Strake dazu eine Erklärung verlesen, in der er die Äußerungen im Krankenhaus einräumte. "Mein Mandant war äußerst aufgeregt", erklärte Strake. Zudem habe ihn niemand darüber informiert, was jetzt mit ihm geschehe. "Ich habe die Worte nicht ernst gemeint", zitierte der Anwalt seinen Mandanten. Am Mittwoch sollen der Staatsanwalt und die beiden Verteidiger ihre Plädoyers halten.

Das Urteil ist für den gleichen Tag geplant. Ob die beiden Somalier tatsächlich wie angeklagt wegen versuchten Totschlags verurteilt werden ist offen. Der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann erteilte gestern den juristischen Hinweis, dass auch eine Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung infrage kommt.