Hunderte bei Stadtspaziergang

In Plauen haben am Samstag, wie in mehreren anderen Städten, zahlreiche Menschen für einen anderen Umgang mit der Corona-Pandemie demonstriert.

Plauen am Samstagnachmittag. Über die Bahnhofstraße bewegen sich mehrere hundert Menschen, junge, alte, Familien, einzelne Bürger, ohne Transparente, mit und ohne Mundnasenschutz. Auf dem Altmarkt verweilen viele, diskutieren, trennen sich und versprechen: "Wir kommen wieder." Alles bleibt friedlich, die Polizei sichert ab, schreitet aber nicht ein.
Bereits am Montag wählten etliche Plauener diese Art des Protestes, um ihren Unmut gegen die Corona-Verordnungen zum Ausdruck zu bringen.
Spaziergänger Gert Bauerfeind, Mitstreiter der Bürgerplattform für demokratische Erneuerung, formulierte es so: "Ich denke schon, das die Leute mal raus wollen und ihr verlorenes Grundgesetz suchen. Ganz nach dem Motto: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche; Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in rauhe Berge zurück..." Dietmar Schlei, ebenfalls von der Bürgerplattform, fand: "Sicherlich hat jeder seine eigenen Gründe, die ihn zu solch einem gemeinsamen und vor allem friedlichen Spaziergang bewegen. Hörte man sich um, ist es beispielsweise die Angst um die berufliche Zukunft, andere wünschten sich mehr Transparenz beim Ermitteln der Coronazahlen, wieder anderen geht es darum, unser Grundgesetz nicht weiter auszuhöhlen. So vielfältig, wie die Beweggründe, so vielfältig auch die Zusammensetzung der Spaziergänger. Junge Leute, weniger junge und viele ältere Menschen, friedlich klatschend, freudig spazierend - der friedliche Geist, er erinnerte mich an 1989."
Anders sieht es ein Nichtteilnehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte (Name der Redaktion bekannt), der kritisiert, dass verordnete Hygienemaßnahmen leichtfertig oder gar bewusst ignoriert wurden. Kritisiert wurde auch, dass unter den Spaziergängern Mitglieder des Plauener III. Weges waren. Dazu sagte Andreas Ernstberger, bekannt als Macher der Vogtland-Latenight-Show und Fotograf: "Alle Leute haben sich hier friedlich verhalten. Und ja, wenn dann ein paar Leute vom III. Weg dabei waren, kann das dennoch nicht d e r Grund sein, um die viel größere Mehrheit der Teilnehmer in die ,Rechte Ecke‘ zu schieben. Das ist der typische Fingerzeig oder Beißreflex derer, die einfach das Links-Rechts-Dingsbums brauchen, um sich wichtig zu machen. Dieser Spaziergang war richtig, war gut und vor allem ein friedliches Zeichen demokratischen Handelns. Die Leute, die gekommen waren, kommen aus allen Schichten der Gesellschaft, vom Handwerker, Unternehmer, Arbeiter, Künstler, Lehrer, Rentner und und und. Es sind allesamt politisch interessierte Bürger, die ihre demokratischen Grundrechte in Gefahr sehen und mit Sorge auf die Regierung schauen. Ich denke, als das Thema Impfpflicht ins mediale Gespräch kam, war eine rote Linie überschritten, was die Leute auf die Straßen getrieben hat. Man spürt die sozialen Ungerechtigkeiten im Land und das schwingt mit. Unsere Freiheit ist über viele Jahrzehnte, Jahrhunderte hart erkämpft. Die Menschen haben Zweifel an einer Politik, die die Freiheit gegen einen Polizeistaat eintauschen könnte. Sie haben es satt, überall ausspioniert zu werden und einfach das Vertrauen verloren. Diese Leute sollte man ernst nehmen und sie haben mit ihrem friedlichen Protest absolut richtig gehandelt."
Mitglieder des Runden Tisches für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis warnen hingegen in einer mehrseitigen Presseerklärung eindringlich davor, gemeinsame Sache mit den den Anti-Corona-Protestanten zu machen. "Die gegenwärtigen Einschränkungen, die die politischen Verantwortlichen uns auferlegt haben, treffen wesentliche Grundrechte. Aber diese Einschränkungen zu beklagen, darf nicht dazu führen, den pseudodemokratischen Phrasen und absurden Verschwörungstheorien der rechten Populisten und Nazis auf den Leim zu gehen", heißt es in einem Statement der überparteilichen Initiative. Frank Blenz