Hunde-Attacken im Vogtland

Forderungen werden laut nach einem Führerschein für Vierbeiner in Sachsen, nachdem in Klingenthal einem Mann ins Gesicht gebissen wurde. Gestern der nächste Vorfall in Netzschkau: Eine Dogge beißt eine Frau und schleift sie 30 Meter mit.

Netzschkau/Klingenthal - Die Dogge hatte gestern Morgen die 51-jährige Frau schwer verletzt. Der angeleinte Hund habe die Frau in die Schulter gebissen und etwa 30 Meter mitgeschleift, teilte die Polizei mit. Gegen den 50-jährigen Hundehalter wurde Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet.
Laut Polizei wurde das Tier einem Tierarzt vorgestellt, der es jedoch abgelehnt hat, den Hund einzuschläfern. Das Landratsamt entscheide nun, ob der Besitzer als Hundehalter geeignet oder/und ob die Dogge gemeingefährlich sei.
Das Landratsamt informierte gestern Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst, dass die 16 Monate alte Dogge bereits am 26. Oktober auffällig geworden war: "Sie hat einen Hund und dessen Besitzer gebissen. Der Besitzer musste ins Krankenhaus."
Purfürst zeigt sich alarmiert über die zwei Beißattacken innerhalb von zwei Wochen. "Sonst zählen wir ein, zwei Vorfälle im Jahr", sagt der 53-Jährige, der seit 2013 im Amt ist. "Ein einziges Mal wurde in den Jahren ein Hund in Netzschkau seinem Besitzer weggenommen."
Laut Purfürst entscheidet das Landratsamt, was mit der gefährlichen Dogge geschieht. "Aber wir haben ab sofort Leinenzwang und Maulkorbpflicht verhängt sowie ausbruchssichere Haltung verfügt - bis entschieden ist."
Bereits am Sonntag gab es in Klingenthal einen blutigen Hundeangriff: Dort biss ein Hund auf einem Waldweg einem 57-Jährigen ins Gesicht. Der Mann war spazieren, als ihm zwei Hundehalter entgegen kamen - mit je einem angeleinten Hund. Laut Polizei sprang einer der Hunde plötzlich hoch und schnappte zu: Er biss dem Spaziergänger ins Gesicht, der ins Krankenhaus kam. Der Hund war zwar angeleint, die 60-jährige Halterin konnte ihn der Polizeimeldung zufolge jedoch nicht halten. Jetzt läuft eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Angesichts des Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation PETA die Einführung eines Hundeführerscheins in Sachsen. In einer Pressemitteilung heißt es:
"Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine", so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. "Viele Halter können das Verhalten, die Signale und die Körpersprache ihres Vierbeiners nicht richtig deuten und einschätzen." Jeder falsch gehaltene Hund könne zur Gefahr werden.
Der Hundeführerschein sieht vor, dass Halter vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren. Anschließend folgt für Halter und Hund ein Praxisseminar in einer Hundeschule.
Niedersachsen hat einen Sachkundenachweis für Hundehalter verpflichtend beschlossen - seit Juli 2013: Dort ereigneten sich nach drei Jahren laut PETA nachweislich weniger Vorfälle. Einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2016 zufolge spricht sich mit 65 Prozent eine deutliche Mehrheit der Deutschen für einen Sachkundenachweis für Hundehalter aus. ufa