HSV-Fanclub: 500 Kilometer bis zum Heimspiel

Alles begann mit einem Fanturnier in der Ostvorstadt. Beim 1. FC Wacker Plauen feierte der HSV Fanclub Vogtland im Jahr 2018 inoffiziell seine Premiere.

Plauen Weil die zehn HSV-Fans im Folgejahr gern auch ein Banner mit der Raute - dem Hamburger Vereinslogo - präsentieren wollten, baten die Vogtländer "ihren" Klub um Erlaubnis. Zur großen Überraschung kamen zwei E-Mails aus Hamburg zurück und sogar ein Anruf aus dem Volksparkstadion folgte.
Die HSV-Fanbetreuer kannten demnach Plauen und Umgebung vom Namen her: "Angesichts der enormen Entfernung, gehen bei uns schon lange ausgesprochen viele Bestellungen von Eintrittskarten aus eurer Ecke ein. Ihr seid eine kleine HSV-Hochburg da in Plauen und Umgebung", ließ die Fanbeauftragte Nicole Fister wissen. "Wenn ihr euch untereinander kennt, dann gründet doch einen Fanclub. Ihr werdet bestimmt 20 Leute, weil sich weitere Fans anschließen", mutmaßte die Hamburgerin.
Nur eine Woche später verschlug es einer anderen Mitarbeiterin in der Zentrale der HSV Fußball AG die Sprache. Weil "nur" 40 Namen auf die Anmeldeliste passen, musste der in Gründung befindliche HSV Fanclub Vogtland eine zweite Aufnahmedatei anfordern.
Die Nachfrage vom Fanbeauftragten Andreas Witt war berechtigt: "Ihr seid 500 Kilometer weg und habt die Anmeldeliste komplett voll?" Diese ungläubige Frage stellte dann zwei Wochen später sogar HSV-Präsident Marcell Jansen. Und das kam so. Beim Hamburger SV spielt mit Michael Ulbricht ein waschechter Plauener. Den früheren VFC-Kicker zog es zunächst nach Hessen und Bayern. Dann bekam er eine tolle Chance: Vor drei Jahren wechselte Michael Ulbricht vom FC Bayern Alzenau nach Norderstedt zum HSV III in die Oberliga. Jetzt war Micha bei seinem Wunschklub. Im vergangenen Jahr war dann für den ehemaligen Nationalspieler Marcell Jansen Schluss mit dem Leistungssport. Durch die Wahl zum neuen HSV-Präsidenten hatte der neue Chef des 88.000 Mitglieder starken Klubs nicht mehr genug Zeit, um weiter in der Regionalliga beim HSV II zu spielen. "Also kickt Marcell Jansen nun inzwischen beim HSV III. Wir sind Mannschaftskameraden", berichtete Michael Ulbricht in der Heimat. Der Hammer! Und in der Kabine stieß der Präsident beim allgemeinen Smalltalk mit Michael Ulbricht auf folgende verrückte Geschichte. Micha erzählte: "Meine Freunde aus Plauen kommen nächste Woche zum Heimspiel gegen Aue nach Hamburg. Sie sind zu zehnt. Da freue ich mich sehr drauf", erzählte Micha dem Präsidenten. Und prompt folgte dessen Frage: "Wie viele? Gibt es denn bei euch so viele HSV-Fans?" Michael grinste: "Ja. Insgesamt sind es schon 87 organisierte Mitglieder. Und es werden irgendwie immer mehr. Wir staunen selbst, weil wir so viele geworden sind."
Marcell Jansen schickte direkt vom Fußballplatz eine Videobotschaft nach Plauen: "Moin, Moin, Fanclub Vogtland, lasst uns zusammenhalten und die Saison gemeinsam durchziehen! Euer Micha und euer Marcell Jansen!" Im Vogtland war die Freude riesengroß. Welcher Bundesliga-Fanclub hat schon einen direkten Draht zum Vereinsboss?
"Wir sind alle ziemlich entspannt, weil man als HSV-Fan ja besonders gute Nerven braucht. Deshalb haben wir auch keinen Verein gegründet, treffen uns ganz ungezwungen und setzen darauf, dass es für einen HSV-Fan mit vogtländischen Wurzeln eine Ehre ist, sich dem Fanclub anzuschließen", schmunzelt Fanclub-Gründer Karsten Repert. Wohl auch deshalb gehören dem HSV Fanclub Vogtland Schichtarbeiter ebenso an wie weit gereiste Lkw-Fahrer, Handwerker, Direktoren, Ärzte und mehrere Geschäftsführer sowie 16 Kinder und Jugendliche.
Sogar VFC-Cheftrainer Falk Schindler und Mannschaftsleiter Roland Pöhler sowie André Rabe, Geschäftsführer des Vogtländischen Fußballverbandes, gehören dazu. Wer mehr über den offiziellen HSV Fanclub wissen möchte, der kann sich gern melden unter (0171-4040 66 77). kare