Hotels werden Quarantäne-Stationen

Plauen Weltweit steht ein Thema an erster Stelle in den Nachrichten: Die Ausbreitung des Corona-Virus. Doch wie gehen die Menschen in den betroffenen Gebieten wirklich damit um? Sind sie wie gelähmt vor Angst, tätigen sie Hamsterkäufe oder läuft das Leben ganz normal weiter?
Wir unterhielten uns mit einigen in Plauen lebenden Italienern. Fabio Saja ist Inhaber des Ristorante Primavera am Hradschin. Seine Familie und viele Freunde leben auf Sizilien. Er sei schon beunruhigt und höre jeden Tag die italienischen Nachrichten. Obwohl seine Heimatinsel zu den Risikogebieten gehört, sei das Leben dort noch normal. Es gäbe nur wenige Fälle. "Klar sind die Sorgen da", hat er telefonisch von seiner Familie erfahren. Aber so schlimm, wie in Norditalien sei es nicht. Zwar gäbe es auch hier keinen Mundschutz mehr zu kaufen, aber sonst sei alles ruhig. Er hat erfahren, dass in Norditalien ganze Einkaufscenter geschlossen haben. Es gibt nichts mehr und Ware wird auch keine angeliefert. Hotels werden als Quarantänestationen genutzt. Alle hoffen, dass es bald vorbei ist.
Ähnlich äußert sich Tiziano Benuzzi. Der Inhaber der Pizzeria Tiziano in der Nobelstraße stammt vom Gardasee. Ein idyllisches Fleckchen, dass besonders bei den deutschen Touristen beliebt ist. Das Gebiet liegt mitten in einem Infektionsgebiet. Aber auch hier sind die Menschen ruhig. "Die Influenza ist schlimmer. Da sterben jedes Jahr viel mehr Menschen", weiß der Gastwirt. Seine Familie mache sich keine Gedanken. "Sie haben gar keine Zeit, sie müssen arbeiten." Viele Menschen in Italien seien sich einig, dass "die ganze Aufregung von irgendwo gesteuert wird und ein paar Leute richtig daran verdienen." Tiziano Benuzzi telefoniert regelmäßig mit seiner Familie und ist froh, dass es allen gut geht.
In den Reisebüros der Stadt Plauen sind die Nachfragen nach Italienreisen nicht zurückgegangen. Die Menschen erkundigen sich, welche Regionen besonders betroffen sind und ob es Reisewarnungen gibt. Jeder Veranstalter handhabt die Situation anders. "So lange vom Auswärtigen Amt keine Reisewarnung gegeben wird, muss abgewartet werden", erklärt Jeanette Seifert vom Reisebüro Sonnenklar. Wer ohne diese Warnung storniert, müsse mit Kosten rechnen. Allerdings bieten die Veranstalter Ausweichtermine an. Das beträfe besonders Teneriffa-Reisende.
Ähnlich wird es im Reisebüro Koczy gehandhabt. "Die Kunden fragen nach, haben aber keine Panik. Die Entscheidungen werden erst gefällt, wenn es doch noch Reisewarnungen geben sollte. Ein weiterer Reiseveranstalter, der nicht genannt werden möchte, beginnt am Samstag mit einer Tour nach Südtirol und am Sonntag in die Schweiz. "Es kommen Anrufe, ob die Reisen stattfinden und vereinzelt wird storniert." Man biete kostenfreie Umbuchungen an, ließ der Mitarbeiter wissen. Gabi Kertscher