Horns Machtwort: Schluss mit lustig

Die Katze ist aus dem Sack. "Illusorium Schloss Voigtsberg" soll die neue "Dauerausstellung" heißen. Oberbürgermeister Mario Horn verkündete am Dienstag beim Pressegespräch im Rittersaal den Namen, den der Stadtrat nichtöffentlich im März beschlossen hatte.

Oelsnitz - Man habe sich mit der Künstlerin verständigt, dass die Namensgebung durch die Stadt erfolgt, so Horn. Mehr als 20 Namens-Ideen hatten die Stadtrats-Ausschüsse beraten. Durch ein Wortspiel von Marketing-Chef Daniel Petri und Stadtrat Dr. Jürgen Schlick (DSU) wurde "Illusorium" geboren. "Wir erheben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Arbeit, Zukauf und wissenschaftliche Verwaltung. Wir lassen auch den Namen der Künstlerin nicht auftauchen, um für die Zukunft flexibel zu bleiben", erklärte Horn. Der Name "Illusorium" verbinde sich mit "Traum, Fabel und Märchen".

Im September 2008 hatte der Oelsnitzer Stadtrat den Beschluss zur Übernahme des Lebenswerks von Regine Heinecke gefasst und der Künstlerin eine monatliche Leibrente von 800 Euro bewilligt. Mit der Auswahl aus den rund 3000 Arbeiten Heineckes, zu denen auch freie Gemälde gehören, sollte sich ein Querschnitt durch die gesamte Kunst der Illustration zum "Museum" verbinden. Der Schloss-Förderverein kaufte dafür mehrere Arbeiten aus anderen Zeitepochen an. Ob und wie diese Blätter ausgestellt werden, sei noch offen.

Das Schlossgewölbe war anfangs noch räumlich einbezogen - dort wurde dann die Mineraliensammlung von Dr. Edgar Schramm integriert. Weder die Stein-Ausstellung noch das "Illusorium" hat der Kulturraum Vogtland-Zwickau als förderwürdig eingestuft, informierte Horn. Die Stadt muss diese Bereiche einzig aus ihrem Haushalt finanzieren. Man wolle aber nach "Drittmitteln" von Stiftungen und Sponsoren Ausschau halten. Gefördert durch den Kulturraum wird das Teppichmuseum auf Schloss Voigtsberg. "Immensem Druck des Kulturraums" sei die Stadt jetzt nachgekommen, indem sie die Stelle eines Museumsleiters ausschrieb. Das Vogtland-Museum Plauen habe eine Übernahme des Werks von Regine Heinecke abgelehnt. Für das Entgegenkommen von Oelsnitz sieht Horn die Künstlerin in der Dankespflicht.

Zu den medial geführten Streitigkeiten mit Regine Heinecke um Ausstellungs- und Rechtefragen nahm Hauptamtsleiter Kai Peter Stellung. Gewisse Handlungen hätten die Stadträte verärgert. Eine Rückabwicklung des Vertrags mit der Künstlerin sei bedacht, aber verworfen worden. Ein ordentliches Kündigungsrecht enthalte das Dokument nicht. Doch jeder Vertrag könne außerordentlich gekündigt werden - die Bedingungen seien dehnbar. Drei Terminangebote für ein klärendes Gespräch habe die Künstlerin - "eine schwierige und expressive Person" - nicht angenommen und stattdessen mitgeteilt, dass die Probleme mit den Ausstellungmachern (Gerd Naumann und Jürgen Hohmuth) geklärt seien, berichtete Horn. Nun will er "das Schiff auf Kurs bringen": "Ich rate Regine Heinecke, Bodenhaftung zu bewahren. Auf der Zielgeraden ist Schluss mit Lustig", meinte er.

Die Hauptperson erfuhr den Namen der neuen Dauerausstellung Dienstagnachmittag von Horn telefonisch. "Illusorium" klingt gut, meinte sie auf Anfrage, "da habe ich mich erst mal gefreut, aber da fehlt noch mein Name". Als Regine Heinecke bewusst wird, dass das nicht vorgesehen ist, reagiert sie entsetzt. "Man kann meinen Namen doch nicht einfach weglassen. Das ist hinterhältig" findet sie. "Ich fühle mich überrumpelt, man stellt mich immer wieder vor vollendete Tatsachen. Man hat mich schon für tot erklärt", klagt die 76-Jährige. Sie erwägt nun, sich hilfesuchend an das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu wenden. R.W.