Holzkunst echt abgekupfert

Achtung Plagiate: Die Holzkunst-Drechslerei Kuhnert aus Rothenkirchen hat ihre liebe Not mit Billigware aus Fernost. Da bleibt nur der Gang vors Gericht.

Rothenkirchen - Martin Rissmann und sein Chef und Schwiegervater Frank Kuhnert blättern sich seit einiger Zeit besonders aufmerksam durch Werbeblättchen und klicken sich im Netz durch große Onlinekataloge. Denn dort stoßen sie regelmäßig auf böse Überraschungen. Seinen Augen konnte Rissmann nicht trauen, als ihm in einem solchen Blättel der Teelichtkranz mit den beiden sich schnäbelnden Vögelchen begegnete. Die gleiche Konstruktion. Das gleiche Motiv. Gleich und zum verwechseln ähnlich. Erst auf den zweiten Blick sehen Kenner, dass es sich um Billigkram aus China oder sonst woher handelt. "Unsere Ware ist aus Echtholzfurnier und mit verschiedenartig und -farbigen Holz beklebt. Bei dem Plagiat wird das Motiv nur raufgelasert. Auch ist die Verarbeitung oft grob und ungenau", sagt Rissmann verärgert. Während das Original bei Kuhnert 25 Euro kostet, ist das Plagiat für schlappe 15 Euro zu haben.
Er habe nichts gegen Weihnachtsdeko für den kleinen Geldbeutel oder gegen Leute, die keinen Wert auf Produkte von "Echt Erzgebirge" legen und sich bewusst für in China Gefertigtes entscheiden, so der Vertriebsleiter. Dafür um so mehr um zweifelhafte Firmen, welche die Designs namhafter Volkskunsthersteller aus dem Erzgebirge schamlos kopieren. Bewusst solle dem Kunden weisgemacht werden, es handele sich um hochwertige Erzgebirgskunst. Was sie nicht ist. "Wir gehen an die Öffentlichkeit, um den Verbraucher aufzuklären, sie zu warnen, sich von den Billigverkäufern keinen Bären aufbinden zu lassen. Da ist der ganzen Zunft geholfen", so Martin Rissmann. Angepriesen wird die Billigware im Wurfblättchen und im Internet, verkauft oft in Restpostenmärkten - auch im Vogtland. So hatte ein Restpostenmarkt im oberen Vogtland ein Holzfensterbild mit Schneemann für 2.99 Euro im Angebot, ein weiteres Fensterbild mit Wintermotiv ist im Billigmarkt für 4.50 Euro zu bekommen - das Original kostet 12 Euro. Auch ein in Falkenstein ansässiger Onlinehändlershop, der vor allem mit Deko- und Weihnachtsartikeln handelt, hatte ein falsches Kuhnert-Produkt im Sortiment. Und das ist ausgerechnet ein Baumanhänger mit dem Stupsi-Hasen. Das Motiv ist ein "Flaggschiff" im Hause Kuhnert mit hohem Wiedererkennungseffekt.
Rissmann: "Wir kaufen von jedem Plagiat ein Exemplar, machen Fotos, schicken es der jeweiligen Firma - und dann gehts zum Anwalt." Mancher Markenstreit kann durch Gespräche und Vergleiche im Vorfeld beseitigt werden, andere führen vor Gericht.
Ein markanter und langwieriger Streit ist der gegen besagten Falkensteiner Onlinehändler, den der Verband erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller aus Olbernau führt - Kuhnert gehört dem Dachverband an. Hier handelt es sich nicht direkt um einzelne Plagiate, sondern Streitobjekt ist die auf viele Produkte aufgeklebte Markenbezeichnung "Feinste Holzkunst aus dem Erzgebirge". Für Verbandsgeschäftsführer Dieter Uhlmann ist klar, dass der Verursacher seinen Kunden vortäuschen will, es handele sich um ein Produkt aus dem Erzgebirge. Die Nähe zum geschützten Verbandsnamen "Echt Erzgebirge" mit dem dazugehörigen Reiterlein-Aufdruck sei gegeben. "Seit einem Jahr läuft der Rechtsstreit. Ein laufendes Verfahren, bei dem noch kein Ende in Sicht ist. Wir haben auch schon Abmahnungen geschrieben", so Uhlmann. Laut dem Verbandschef habe der Händler den Vorwurf der Markenverletzung zurückgewiesen. Der Falkensteiner war auf Nachfrage des Vogtland-Anzeigers nicht bereit, seine Sicht der Dinge zu schildern. Den Aufdruck "Echt Erzgebirge" darf nur der verwenden, der entweder im Verband Mitglied ist und/oder dessen Produkte in Qualität und Herkunft den Standards des Verbands entsprechen. Einfach gesagt: Räuchermännel & Co. müssen in der Region Erzgebirge/Vogtland gefertigt sein und dürfen nicht der Massenproduktion entspringen.
Dass im Recht sein und Recht bekommen zweierlei Dinge sind, hat auch die Firma Kuhnert erfahren.
Der Geschmacksmusterschutz, der automatisch auf jedem Design ist, sei ein sehr lockerer Schutz und mit einem echten Patent nicht vergleichbar. Martin Rissmann beklagt eine sehr schwammige Gesetzeslage. Im Vorteil ist der, der beweisen kann, einen Artikel zuerst hergestellt zu haben - vor der Billigkonkurrenz. Cornelia Henze